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Inhalt | Ressenyes en alemany

Hominide, Erzählung
Ohne Gummi, Prosa
Andorranische Impressionen, Reise-Essay
Dort und anderswo, Kultur-Essays
wenn der Mückenschwarm dein Augenlicht umtanzt, Lyrik
Vermells | Röten, poesia/Lyrik
Auf der Kippe, Kurzprosa
Lose, Kurzgeschichten

Hominide (2016/2008)

Der Titel bezieht sich auf (nicht von ungefähr) 7 Tage aus dem Leben von Pitar, eines »Vormenschen« der Urzeit (Australopithecus afarensis), von diesem selbst erzählt. Dabei gilt, leicht abgewandelt: Schmal aber oho! Bemüht(e) man sich in verwandten literarischen Produktionen um eine mehr oder weniger korrekte Nacherzählung vorzeitlicher Lebensumstände, meist romanhaft auktorial, allenfalls entwicklungsgeschichtlich technisch, dreht Ebner den Spieß um: Hier entfaltet sich nur bedingt der Eintritt in die ach so ferne Vergangenheit, weil der (mit welchem Material sich auch immer vervielfältigende) Hominide als höchst ambitionierter Autorenvorfahr sich in seinem Berichten nahezu vollkommen unserer heutigen Terminologie bedient – mit den dementsprechenden Implikationen.

(...) Als weiter zurückliegende strukturelle Argumente benutzt er unter anderen die Parallelaktion (also Musil; 49), die Falsifikation (also Popper; 52) oder den Traum (also Martin Luther King; 56), (...) Auch wenn seine literarischen Kenntnisse über die Schöne neue Welt (also Huxley; 16) oder Aichmühl und Klagenfurt ([!]; 30) bis zu Sprache oder nicht Sprache (also frei nach Shakespeares Hamlet; 44) und seine sprichwörtlichen (wie eine Kerze anzünden [9], Auge in Auge [26] u.a.m.) oder gar filmischen Anzüglichkeiten (wie Das große Fressen [40], Das weite Land [60] u.a.m.) lediglich für ihn selbst als Gedankenanimationen Bedeutung erlangen, wachsen ihm doch einige sich ihm anschließende Mitstreiter zu: Vor allem Carpediem, der, nomen est omen, nicht nur als Philosoph, sondern ebenso in lateinischen Zitaten höchst versiert ist, und Lao, ein begabter Sprachsoziologe. Zu ihnen gesellen sich für eine kurze Weile situationsbedingt Rhododendron als Ökologe, oder Ruth als Gewerkschafterin ante definitionem.

(...) Tag 1 gilt dem Nachdenken »über uns selbst«, Tag 2 dem möglichen Fortschritt, Tag 3 dem Bau von Hilfskonstruktionen und dem Komplex der Nahrungsaufnahme. Tag 4 befasst sich mit der Umsetzung von Kritik angesichts des Sternenzelts, Tag 5 mit praktischen Fragen des Wohin, Tag 6 mit der kaum zu vermeidenden Konsensfindung. Tag 7 beginnt scheinbar als geradezu biblische Ruhezeit, endet jedoch in einer Katastrophe, die die Gruppe auseinanderbrechen lässt: Um die wenigstens partielle Chance des Neubeginns (selbstverständlich als Grundlage für das späterzeitliche Einholen von Pitars Erkenntnissen) zu ermöglichen, bei welchem nunmehr die persönliche, ja private Liebe zwischen Mann und Frau nicht fehlen darf. So bleibt rückblickend (?!) die grundsätzliche Frage: Wird hier die Vergangenheit in die Gegenwart transponiert ... oder doch umgekehrt? Jede/r Leser/in (Anm: dies eine neue, in der Urzeit also noch nicht gewohnte Wendung) mag sich das beantwortende Urteil selber bilden nach einer die Ebnerschen und zunehmend »unsere« Hominide hochleben lassenden Lektüre.

Martin Stankowski
Litearisches Österreich 2016/2, Wien 2016
S. 15 f.


(...) Es ist eine reizvolle Idee, über jenen Moment in der Menschheitsgeschichte zu spekulieren, in dem ein Wesen aus den Wäldern Ostafrikas heraustritt, um in der Savanne den Schitt vom Halbaffen zum Menschen zu tun. (...) Über das prähistorische Setting legt der Autor eine postmoderne Schicht an Dialogen und Themen, aus denen die Erzählung ihre Spannung bezieht. Da redet Carpediem lateinisch, Lao lässt weise Sprüche vom Stapel und Pitar wird von Visionen geplagt, dass der Mensch eines fernen Tages den Mond betreten könnte - was den Hominiden, der solches erträumt, zum absoluten Gespött des Rudels macht.

(...) Der dialoglastige Aufbau des Textes, wo einem mitunter ganz diesig im Hirnkastl wird vor lauter Andeutungen, gibt dagegen jenen Nebel an Gedanken und Ahnungen, an dem unsere Vorfahren vielleicht gelitten haben mögen, ziemlich treffend wieder.

Werner Schandor
Schreibkraft 21, Graz 2011
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(...) In sieben Tagen erschuf Gott die Welt, so steht es in der Bibel geschrieben, und diese sieben Tage nimmt K. Ebner zum Anlass, eine grandiose Satire über die Menschwerdung zu verfassen. Protagonist und Ich-Erzähler ist Pitar, der als erster Philosoph der Menschheit in diesen kommenden sieben Tagen den Menschenaffen zum Menschdasein begleiten wird.

(...) »Wie sonst hätte er mich nennen sollen? Meister Kung, Darwin’s Nightmare oder einfach Ludwig? Einen Australopithecus, der tugenensis, habilis und sapiens völlig planlos durcheinanderbrachte? Da fand ich den Namen Pitar schon in Ordnung.« (S. 17). Anhand des Zitates kann man schon sehen, in welche Richtung der Verfasser zielt, doch ob er in seiner Erzählung auf der Suche nach dem Missing Link ist, jenem fehlenden Bindeglied zwischen Affe und Mensch, oder ob er uns Menschen schlichtweg als Hominiden entlarvt, soll hier ein Geheimnis bleiben.

(...) K. Ebner erweist sich als Sprachkönner und Liebhaber fürs Detail. Politisch, philosophisch und gar erotisch geht es in diesem zarten Büchlein zu, welches mit charmanten Anspielungen und einem sensiblen und feinen Humor durchwachsen ist.

(...) Ein Buch für Menschen mit Humor, für Denkende, für Intellektuelle, für Demokraten, für Darwinisten, auf keinen Fall für Kreationisten, weniger für Gläubige, eher für Atheisten, … Fundamentalisten scheiden völlig aus …

Ingrid Reichel
Etcetera Nr. 36, St. Pölten 2009
(Link zur vollständigen Rezension)


(...) Klaus Ebner führt uns mit seiner »Familiengeschichte«, die er bescheiden Erzählung nennt, in die Welt vor vier Millionen Jahren. Aber anders als Urweltromane, die das Leben unserer Vorfahren als ein einziges grausiges Abenteuer schildern oder versuchen, den Alltag dieser Menschen auf Grund wissenschaftlicher Entdeckungen so genau wie möglich zu konstruieren, gelingt es Ebner, uns mit Phantasie und Ironie auf originelle Art seine Hominiden nahezubringen. Er lässt einen von ihnen, Pitar, von den sieben entscheidenden Tagen in seinem Leben selbst erzählen: die Geschichte vom Erwachen des menschlichen Geistes.

(...) Noch herrschen bei seinen Familienmitgliedern, deren Namen, wie Costello, Bongo, Rhododendron, Carpediem oder Konrad, schon auf witzige Weise die Vielvölkerschaft der Zukunft ahnen lassen, die urtierischen Begierden und Triebe: Macht, Hunger und Fortpflanzung.

(...) Der Autor versucht, wie schon mit seiner erwähnten Namensgebung, das natürliche Geschehen durch sanfte Ironie ins Spielerische gleiten zu lassen. Immer wieder erzählt nicht nur der Ich-Erzähler von Dingen, die es zu seiner Zeit noch nicht gegeben hat, auch die übrigen Personen gebrauchen Redewendungen von heute oder sprechen sogar lateinisch, Gaukeleien, die dem Thema einen besonderen Reiz verleihen. Und bei allen Zukunftsvisionen erkennen wir, wie sehr die Typen von damals auch heute noch dominieren: der Machtbesessene, der Dummkopf, der Spaßvogel, der Lüstling, der Neidige. Letzten Endes wird die Erzählung »Hominide« zu einem Spiegel unseres Lebens, aber auch unserer Visionen, nur zeitversetzt. (...)

Heinz Gerstinger
Literarisches Österreich Nr. 1/09, Wien 2009, S. 21 f.


(...) So begleitete ich denn doch immer erstaunter und begeisterter ein Rudel Menschenaffen auf einem siebentägigen Weg in ihre Zukunft. (Eine Art Metapher, die mir erst später auffiel.) Ich belauschte ihre futuristischen Ideen, begeisterte mich für ihren lockeren Umgang mit lateinischen Zitaten oder Redewendungen, die ihrer Zeit um Jahrtausende vorauseilen, stand Schmiere bei ihren mehr oder weniger gewagten Unternehmungen, blieb etwas abseits, wenn sie allein sein wollten, und stellte am Schluss fest: Ich hab selten eine Zugfahrt so kurzweilig und zum Erstaunen meiner Mitreisenden auch noch laut lachend verbracht wie mit diesem Buch.

Carmen Mayer (Burana57)
Amazon.de 2009

Ohne Gummi (2013)

(...) Ungeschminkt, jedoch fast immer mit einem Schmunzeln, erzählt Klaus Ebner von der Flugangst, dem Geschlechterkampf, bringt seine Gedanken zu Umwelt, Staatsformen, der Sprache, dem sozialen Umfeld zum Ausdruck. (...)

Bestechend finde ich auch die Hinterfragung des Autors sein Schreiben betreffend. Ich weigere mich das Wort »Geschreibsel«, wie es Klaus Ebner nennt, zu verwenden.

In Überdruss fragt sich der Autor, »ob seine Kritiker nicht die Literatur mit Tageschronik verwechselten, die Schriftsteller mit Journalisten«. Und dem Entschluss, »hinkünftig in seinen Texten nur mehr Belangloses zu thematisieren«, kann ich keinen Glauben schenken. Enthält doch dieser Prosa-Band eine Fülle von brisanten Themen, verpackt in einer wohl gewählten literarischen Form, welche die Leser sicherlich begeistern wird.

Petra Sela
Literarisches Österreich 2013/2, Wien 2013, S. 47 f.


Andorranische Impressionen (2011)

Andorra ist ein Kondominat. Kondome werden offen an jeder andorranischen Supermarktskasse angeboten. Aber natürlich hat das eine mit dem andern nichts zu tun. Oder doch? Andorranischer Sex ist Privatsache. Es gibt im ganzen Land keinen Night-Club. «Der Bischof will es so», und er ist einer jener beiden Fürsten, die das Land in einem Kondominium regieren. Ein spanischer und ein französischer Fürst lenken die Geschicke des Pyrenäenstaates, dessen Landeswährung der Euro ist, ohne dass man je der EU beigetreten wäre, das problemfrei mit einem Ausländeranteil von 75 % zurechtkommt und auf dessen Boden seit dem 13. Jahrhundert keine Kriegshandlungen mehr stattgefunden haben – um einige der Besonderheiten der bizarr bezaubernden Republik zu nennen.

Die «Andorranischen Impressionen» sind ein Reise-Essay, kein Touristenlockbuch, das Logier-Bequemlichkeiten oder Must-have-Souvenirs in den Vordergrund stellt. Der Autor, der das Land mehrmals bereist hat und alle drei Sprachen des Landes fließend beherrscht, lässt den Leser reizvolle Streifzüge tief in die Geschichte und Kultur des Zwergstaates unternehmen. Mit Staunen nimmt man die Kuriositäten wahr, die in keinem anderen Flecken Europas denkbar wären.

(...)

Nebenbei ist auch eingestreut, was den Vergügungsreisenden erwartet. Das ganze Land ist Raucherzone, raucharme Plätzchen sind rar. Die neuzeitliche Architektur fügt sich in den Gebirgscharakter, was zur Folge haben kann, dass der Hoteleingang fünf Stockwerke tiefer als der Ausgang liegt. Katalanisch/Spanisch/Französisch heißt die Sprachenvielfalt. Gut, wenn man wenigstens eine davon beherrscht und dazu die Besonderheiten der katalanischen Speisekarten. Sonst kann es passieren, dass man eine Forelle bestellt und ein Omelett bekommt. Ein solches Missgeschick lässt sich dann sofort nach Hause berichten, denn trotzdem man sich im Gebirge befindet, gibt es überall Internet-Zugang. (...)

Neben der mit Kuriositäten schmackhaft aufbereiteten Informationsfülle kommt aber auch die ästhetische Aufmachung des Bändchens nicht zu kurz. Ein Schmuckstück im Taschenbuchformat, das für die Tasche viel zu schade ist. Ein harter Farbeinband mit Goldaufdruck und einem kleinen Farbfoto, das einen grafischen Dialog zwischen bildender Kunst und bildhafter Landschaft wiedergibt, umhüllt rund 200 Seiten Text, durchsetzt mit einer Schwarzweiß-Bilderreise durch die Kultur des Landes. Wer Hochglanzfarbfotos für Bergtouren sucht, muss sich woanders umsehen. Die Tourismusbranche ist überschwemmt mit Illustrationen gebirgigen Freizeitvergnügens. Dieses Buch widmet sich zwar auch dem Wandern, aber es wendet sich an einen Wanderer, der die tiefere Begegnung mit dem Land sucht, der sich Zeit nimmt, unter die tourismuspolierte Oberfläche zu tauchen.

(...)

Franz Blaha
Driesch Nr. 9/2012, Drösing; Kultur Online 08.03.2012
(Link zur vollständigen Rezension bei Kultur Online)


»Europa erlesen« heißt eine Reihe des Klagenfurter Wieser Verlags, in der seit einigen Jahren wunderschön gestaltete und sehr handliche Bücher mit Texten über europäische Städte herausgegeben werden. In dieser Reihe ist nun unter dem zusätzlichen Reihentitel »Literaturschauplatz« Klaus Ebners Reise-Essay über Andorra erschienen.

(...)

Mit dieser Vorstellung und dieser alten Beschreibung hat das heutige Andorra nur mehr wenig zu tun, das macht Klaus Ebner in seinem Essay dem Leser/der Leserin sehr rasch und unmissverständlich klar. Denn heute ist Andorra vom Tourismus geprägt, der dieses Land (wie so viele andere) vollkommen verändert hat, im positiven wie im negativen Sinn. Ein einziger riesiger Supermarkt sei es, schreibt Klaus Ebner, und beschreibt dann den fast idyllischen Platz vor Andorras einziger Universität. Und schon taucht beim Lesen wieder ein anderes Bild herauf, eines, aus dem die Supermärkte und die Touristenmassen ausgeblendet sind.

(...)

Diese Geschichten und die vielfältigen Hintergrundbetrachtungen sind es auch, die dieses Buch so interessant machen und selbstverständlich über jeden Reiseführer hinausheben. Details über das früher große Verlagswesen in Andorra etwa, über die aktuelle Literatur des Landes, Treffen mit Schriftstellern, Betrachtungen über die Abgrenzung oder Nichtabgrenzung zu Spanien hin, sehr ausführliche Exkurse über die katalanische Sprache und den Umgang mit ihr, die Probleme der faktischen Mehrsprachigkeit in diesem kleinen Land, die vielen historischen Abhandlungen – all das sind Themen, die diesem Reise-Essay eine besondere Note verleihen. Einen ganz besonderen Stellenwert nehmen im Buch aber auch die Beschreibungen von frühen Reisenden in dieses abgelegene Land ein, wobei Klaus Ebner diese immer wieder in Bezug zum heutigen Andorra setzt.

Und gleichzeitig kann das Buch natürlich auch ganz einfach als Anleitung für eine Reise nach Andorra benutzt werden, denn der Autor lässt uns auch teilhaben an den ganz praktischen und scheinbar banalen Dingen des Reisens.

(...)

Judith Gruber-Rizy
Literarisches Österreich Nr. 2012/1, Wien, S. 18 f.

Dort und anderswo (2011)

Belesen und eloquent erzählt der 1964 in Wien geborenen Autor und Übersetzer Klaus Ebner von seinen Reisen nach Tschechien, Amerika, Italien … Ebner ist durch sein Studium der deutschen und romanischen Philologie ein bewandter Sprachkenner und seine Leidenschaft gilt dem Katalanischen, eine Sprachminderheit, die man noch im französischen und spanischen Raum vorfindet. Ebner verweist besonders auf jene Literaten, die durch ihre Werke und Wirken das Vergessen dieser Kultur verhindern und erzählt von ihren Schwierigkeiten, sei es im Verlagswesen und Buchmarkt Fuß zu fassen oder Förderungen zu erhalten.

(...) Ein Ort, der nirgendwo ist, alleine im virtuellen Raum existiert, ist das Internet. Hier hebt Ebner das grenzüberschreitende Wikipedia-Enzyklopädie-Projekt hervor, welches es geschafft hat, Menschen verschiedener Kulturen für ein gemeinsames Vorhaben zu begeistern. Mittlerweile gibt es Wikipedia in über 270 Sprachen (S. 10). Dagegen sieht man das Problem der Ortstafelstreits in Kärnten (S. 80) in seiner wahren Lächerlichkeit erstrahlen. Ebner verweist auf die Durchsetzungspflicht des Artikel 7 unserer Verfassung (S. 83), der den Autor alleine durch seine Notwendigkeit zum Kopfschütteln bringt.

Der Leser ist also mit einem intelligenten Reiseführer ausgestattet und hat nun den dringenden Wunsch, dem Autor dort und anderswo nachzureisen. Bei Ebners Reiseliteratur wird eine Redewendung zur Gewissheit: Ebner ist ein wandelndes Buch!

Ingrid Reichel
Etcetera Nr. 50, St. Pölten 2012
(Link zur vollständigen Rezension)


Das Persönliche mit dem Allgemeinen verbinden, um es dadurch anschaulich und fassbar zu machen, dieser Maxime scheinen Klaus Ebners in loser Folge aneinandergereihte Essays verpflichtet, die in entspanntem Plauderton das geneigte Publikum an den Erlebnissen eines leidenschaftlich Reisenden teilhaben lassen wollen. Dass dadurch so ganz nebenbei abundante Kenntnisse von Land und Leuten vermittelt werden, nicht nur kulturelles und geschichtliches Allgemeingut, sondern vielmehr »abseitiges« Spezialwissen – Abseitiges ist ja häufig besonders interessant und aufschlussreich – macht die Lektüre zeitweise regelrecht spannend. (...)

Generell scheint Reiseliteratur dieses Genres, die Persönliches so gekonnt und mühelos mit Allgemeinem verbindet, einigermaßen aus der Mode gekommen zu sein. Auch der scheinbar leichte Ton entzieht sich herkömmlichen Kategorien und hat aktuell wenige Beispiele. (...)

Ebner vermittelt jedoch nicht nur historisches – und spezifisches Fachwissen (ein ganzes Kapitel vermittelt z.B. interessante Einblicke in die Mühen des Übersetzers), auch ganz aktuelle Zeitbezüge fehlen nicht. Sie zeigen sich beispielsweise in den mit aller Ernsthaftigkeit vorgetragenen Reflexionen zum gegenwärtigen Verhältnis der westlichen Welt zum Islam, oder auch betreffend die in North Carolina erlebte nach wie vor zwar nicht gesetzlich aber real vorhandene Rassendiskriminierung.

(...)

Gabriele Folz-Friedl
Driesch, Nr. 10/2012, Drösing, S. 162


Es ist ein wunderbares »Zwischendurch-Lese-Buch«. Handlich im Umgang und höchst vergnüglich bis interessant im Inhalt. In zwanzig Kurzgeschichten, in welchen uns der Autor kreuz und quer durch die Welt führt, beleuchtet er Historisches, Sprachgeschichtliches und Nebensächliches.

(...)

In seinen oft wissenschaftlichen Erläuterungen vermeidet er weitgehend schwer verständliche Fremdworte, was ihn wohltuend vom »Mainstream« unterscheidet. Die interessanten Querverbindungen, dass das Haus Habsburg auf so vielfältige Weise mit Geschehnissen um uns selbst heute noch in Verbindung gebracht werden kann, bringen die erfreuliche Erkenntnis, dass das »DORT« oder »ANDERSWO« oft näher liegt, als wir glauben.

Michael Stradal
Literarisches Österreich, Nr. 2012/1, Wien, S. 17 f.


In seinem Essayband Dort und Anderswo entführt uns Klaus Ebner auf erfrischende Weise an die Orte seiner zahlreichen Reisen. Dabei besuchen wir unter anderem Tschechien, Italien und die USA. Den Großteil des Bandes nehmen allerdings diverse Schauplätze in seinem merklich geliebten Katalonien ein. (...)

Das in 20 Essays aufgeteilte Werk liest sich wie ein Reisetagebuch, in dem der Schriftsteller auch persönliche Gedanken und Geschehnisse eingefangen hat. Gleich im ersten Kapitel beschreibt er die Besonderheiten dieser höchst fruchtbaren Verbindung von Autor und Reisendem. Er verknüpft seine Reiseerzählungen mit persönlichen Anekdoten, wodurch es nicht einfach bei objektiven und sachlichen Berichten bleibt. Vielmehr bieten die Essays eine heitere und informative Art, sich nicht nur den besten Sehenswürdigkeiten einer Region zu widmen, sondern auch in die Literatur, Sprache, Kultur, Geschichte und Politik eines Volkes einzutauchen. Eingebettet sind die Berichte in eine pointierte Sprache, die in jeder Zeile die Leidenschaft des Autors für das Erlebte spürbar macht.

(...)

Der Autor will mit seinem Buch nicht nur neugierig machen, sondern sein Lesepublikum auch mit ganz persönlichen Gedanken zu Europa und aktuellen politischen Ereignissen konfrontieren. Wenn er beispielsweise mit aller Ernsthaftigkeit die zwar nicht mehr gesetzlich festgelegte, aber sozial immer noch vorhandene Rassenbenachteiligung zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung in North Carolina anspricht. Ebenso äußert er seinen Wunsch nach mehr Fatwas (islamischen Rechtsgutachten) aus den Reihen der muslimischen Religionsführer, die den Hass und den Dschihadismus gegen die so genannte westliche Welt verurteilen.

Dort und anderswo ist ein Reisebericht, eine scharfsinnige Beobachtungsstudie von Menschen und Regionen, ein Kultur-, Literatur- und Sprachführer sowie eine Liebeserklärung an Katalonien, die aufrichtiger und eindringender kaum sein könnte.

Evelyn Kraut
Literaturhaus Wien, am 08.03.2012
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Klaus Ebner unternimmt einen großen Exkurs in seinem Essayband, dessen Themen vom künstlerisch-schöpferischen Prozess des Übersetzens (DIE KUNST IST DER ANFANG) bis hin zu sagenhaften mythologischen, mythospoetischen Bezügen (VON DER LEGENDE ZUR MODERNITÄT) reichen.

Der Autor durchmisst Gegenwart und Geschichte gleichermaßen präzise, seine Essays sind voll kulinarischer Details, selbst das Bekannte gewinnt in diesen, mit der ganzen Welten-Fülle ausgestatteten Texten an Lebenskraft, etwa die Markt-Passage in dem Essay DIE STADT UND DAS MEER.

(...)

Petra Ganglbauer
Gangway Reviews, 16.12.2011
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wieso der Mückenschwarm ... (2011)

Klaus Ebners neuer Gedichtband, in sechs Abschnitten programmatisch präsentiert, erinnert mit Titel und Untertiteln wie »MOOSVERWACHSEN« oder »VERKÄFERT« aufs erste an geheimnisvolle, kontinuierlich erzählte Geschichten, ähnlich wie sie auch in der Prosa des Autors zu finden sind; was bei genauerer Beschäftigung mit den von starkem Zeitgefühl geprägten Ausdrucksformen des lyrischen Ich, wenn auch auf ganz andere Weise, sich zu bestätigen scheint. In reicher Wortwahl, ab und zu durch französische, katalanische und andere sprachliche Inkrustationen bereichert und illustriert, entpuppen sich manche anfangs als hermetisch empfundene Bilder bald als fein ziselierte Zeugnisse einer weitgespannten Denk- und Gefühlswelt, die durchaus Einblick in die faszinierenden Assoziationen des sprachgewandten Romanisten erlaubt, dabei so manches Rätsel aufgibt, wo einem das Vokabular fehlt, und dennoch neugierig macht auf mehr. (...)

Oft ist es ein Ringen um eine begehbare »Brücke zum Verständnis« zwischen Mensch und Mensch, Seele und Welt. Dann beleuchtet Klaus Ebner konturenreich seine doppelbödig makabren, genau formulierten Gedanken: (...)

Rosemarie Schulak
Literarisches Österreich Nr. 2011/2, Wien, S. 20 f.


(...) Die Titel alleine zeigen Ebners poetische Kreativität, seine Lyrik die Tiefe seiner Gedanken. Zugegeben, es sind keine ‚Gedichterl’, die man schnell auswendig lernen kann, um damit Dulcineas Herz ungestüm zu erobern. Vielmehr handelt es sich hier um abendfüllende Poesie zum gegenseitigen Rezitieren oder für sich zum Lesen, ohne sich je einsam zu fühlen. Gefühle ohne jeglichen Kitsch, ja die gibt es, und sie gehen einem so nahe, dass sogar jemand unpoetischen wie mich die Liebe zur Dichtkunst glatt erfasst. (...)

Ingrid Reichel
Etcetera Nr. 45, St. Pölten 2011
(Link zur vollständigen Rezension bei LitGes Online)

Vermells | Röten (2009)

(...)Dieser Gedichtzyklus beginnt und endet mit dem Wort »Genesis«. Dieser Umstand verweist zum einen auf die symbolisch-mystischen Deutungen der roten Farbe als Feuer und Blut (mit allen darin liegenden Assoziationen von Zerstörung und Lebenskraft, Tod und Geburt), zum anderen aber auf den überlegten und symmetrischen Aufbau des Buches. (...)

Die Gedichte in »Röten« sind eigentümlich schwebende Bilder, in denen sich Sinnlichkeit und Gedankentiefe auf eigenartige Weise durchdringen, so dass die Emotion immer geistig gefiltert und der Intellekt stets emotional aufgeladen erscheint. (...)

Beispiele (natürlich) sprachlichen Humors tauchen in der Mitte des Buches auf. Hier jongliert der Autor übermütig in beiden Sprachen mit der Orthographie und zeigt zum einen, wie man erstens als Leser trotz solcher Stolpersteine den roten Faden nicht verliert, und zum anderen, wie viele Möglichkeiten in den Worten lauern und durch kleine Operationen freigesetzt werden können. (...)

Dieses vom katalanischen Verlag auch in Layout und Typographie exquisit gestaltete Werk lädt ein, Klaus Ebner auf verschiedenen in der deutschen Lyrik eher wenig betretenen Pfaden zu folgen.

Wolfgang Ratz
Literarisches Österreich Nr. 2009/2, Wien
(Link zur vollständigen Rezension, S. 18 f.)


(...) Die Gedichte werden optisch ansprechend präsentiert, beide Versionen auf einer Seite, quer zueinander stehend, von einem roten Einband umfasst, passend zum Titel. Ein Buch, das üblichen ökonomischen Ansprüchen trotzt und gleichzeitig schön gemacht ist.
In ihm folgen kleine Blitze aufeinander, wie Kettengedichte miteinander verbunden. Ein Wort aus der letzten Zeile des vorigen Gedichts wird in der ersten Zeile wieder aufgeworfen und neu fortgesetzt. So entsteht aus den Miniaturen ein zerbrechliches Mosaiknetz, das vorsichtig zusammengefügt wird. (...)

Martin Dragosits
Kultur-Online, Bregenz (AT)/Binz (CH) 16.09.2009
(Link zur vollständigen Rezension)

Auf der Kippe (2008)

(...) Einen solch kostbaren Moment thematisiert auch gleich der erste Text des Bandes, »abendlich«, in dem ein Mann sich im Schein einer Tischlampe heimlich über einen Stapel Bücher hermacht, für die er sich ein wenig Zeit gestohlen hat. Er atmet das Papier förmlich ein, schnuppert daran, um schließlich genussvoll wie in ein wohliges Bad in einen Gedichtband einzutauchen und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die ganze Szene erstreckt sich über gut eine Buchseite, besteht nur aus einem einzigen Satz und erlaubt kein Innehalten. Trotzdem ist es ein natürlicher und melodischer Redefluss, dem man als LeserIn gerne folgt, auch ohne völlig atemlos am Ende anzukommen.

(...) Meine Empfehlung ist, das Buch tatsächlich zu lesen wie ein kleines Lexikon, an Überschriften hängenzubleiben, in Sätze einzutauchen, die Aufmerksamkeit schweifen zu lassen und jene Bilder zu finden, die spontan berühren und zum Weitderdenken anregen.

Sabine Schuster
Literaturhaus Wien 2011
(Link zur vollständigen Rezension)


Der Wiener Autor Klaus Ebner studierte Deutsche und Romanische Philologie. Philologie ist das altgriechische Wort für die „Liebe zum Wort“. In diesem Werk ist diese Liebe zu spüren, doch widmet sich Ebner nicht einfach nur dem Wort, sondern einem ganz besonderem Wort, nämlich dem Adjektiv, dem Wie-Wort, wie man es den Volkschülern hier zu Lande verdeutscht.
Dieses Buch ist für Anfänger oder als Geschenk zur Lesemotivation nicht geeignet, widerspricht es doch der herkömmlichen Annahme, Kurzgeschichten lesen sich leichter. Es ist jedoch ein Kleinod für Wortliebhaber, die mit der Freude an der Sprache hier ihr Auslangen finden. Vielleicht betitelt Ebner gerade deswegen dieses Buch »Auf der Kippe«, weil pure Konzentration (!) und Verdichtung (!) vorliegt …

Ingrid Reichel
Etcetera online, St. Pölten 2009
(Link zur vollständigen Rezension)


Ein wesentliches Merkmal von Kurzprosa ist, dass sie kurz ist. Trotzdem werden jene charmanten, kaltschnäuzigen, verdichteten oder auch nur skizzenhaften Texte, die sich entschieden nicht um Ausführlichkeit bemühen, allzu gerne als halbe Portionen angesehen. Aber ehrlich: Was kümmert es den Leser – und damit auch den Rezensenten –, ob der unausführliche Autor nur einen kurzen Atem hat? Oder ihn aufspart für den großen ganzen Roman, den langatmigen? Was soll das heißen, wenn es wieder einmal heißt: Davon hätten wir gerne mehr gelesen? Mehr gibt’s nicht! Fragen Sie Klaus Ebner. Sein jüngstes Buch namens Auf der Kippe ist der beste Beweis dafür. Ebners Texte präsentieren sich als schlichte Miniaturen eines Erzählers, der gerne schnell zum Punkt kommt. Da legt einer den Finger auf den Erzählfaden, zieht die Schleife drum herum und schon ist wieder ein eindrucksvolles Paket verpackt, oder besser: ein Paket von Eindrücken.

(...) Da ist das Kind, das zum ersten Mal beim Friseur sitzt, der Vater, der seinen Kleinen das Wort Sperma zu erklären versucht, der Mann, der mit Nachdruck erläutert, warum die Idee, Männer würden Sex und Liebe voneinander trennen, nur von einer Frau stammen kann, und ein anderer, der das himmelschreiende Unrecht seiner Scheidung gen Himmel schreit. Ohne eine Antwort zu bekommen, versteht sich. Aber mit Inhaltsangaben ist Ebners nachdenklichen Kurzstreckentexten nicht beizukommen. Es sind der nachdrückliche, aber unaufgeregte Tonfall, der ruhige, musikalische Stil, die schlichte Konsequenz, mit der der Finger auf Wunden gelegt wird, ohne darin zu wühlen, die diese Texte besonders machen. Und das Selbstbewusstsein ihrer Kürze.

Hermann Götz
Schreibkraft Heft 18, Graz 2009
(Link zur vollständigen Rezension)


(...) Sprachliche Präzision und ausgeprägtes Formbewusstsein (ob hier die romanische bzw. romanistische Ader des Autors durchbricht?) charakterisieren Ebners Prosa. Die oft in indirekter Rede gestarteten Bandwurmsätze mit Hang zur Groteske lassen kaum ein aktuelles Thema unseres Alltags aus, von der Ausländerfrage bis zur ehelichen Treue.
Den Anfang macht nicht zufällig die Beschreibung des abendlichen Rituals eines Lesenarren, eines Menschen, der Bücher mit allen Sinnen auf- und wahrnimmt. Viele Texte sind sozusagen alltagsanthropologische Betrachtungen, die über den Betrachter so viel aussagen wie über das Objekt seiner Neugier.

(...) Besondere Aufmerksamkeit erregt in der aktuellen Situation globaler finanzieller Zusammenbrüche ein Text zu den Geldnöten des einfachen Mannes im Kontrast zu den großen Worten jener, die niemals die Zeche zu bezahlen haben. (...)

Vaterschaft und Scheidung sind dem Autor ebenfalls einige bissige Zeilen wert. Bedenkenswert ist ein Text über die Pflicht zur Genauigkeit in der Sprache, auch einem Kind gegenüber.
Genauigkeit in der Sprache ist es auch, was diesen Prosaband auszeichnet. Die eingangs beschriebene Ein-Satz-Strategie Ebners erfordert konzentriertes Einlesen. Dann steht aber einem anregenden und überaus vielfältigen Leseabenteuer nichts im Wege.

Wolfgang Ratz
Literarisches Österreich 2008/2, Wien

Lose (2007)

(...) aktuelle und gesellschaftlich relevante Problemkreise, (...) sehr stille, gleichsam implodierende Geschichten, aber auch Phantasmen, Ironie und Humor finden in diesen Erzählungen ihren Platz. Manche Geschichten erhalten ihre Intensität durch reflektierende Auseinandersetzung mit konkreten Problemlagen (z.B. der Konfrontation mit den alltäglichen Formen des Rassismus in Gesprächen, die mit dem Vater geführt werden), andere Geschichten spielen mit Metaphern, heben sich über die Realität hinaus, ohne über Gebühr abzuheben (...).

»Lose« ist ein perspektivisch vielseitiges Buch, ein extravagantes Mosaik, das Lebens(t)räume aller Art erkundet (...). Abgesteckte Szenarien, intelligente Inszenierungen, ein Treibhaus an Ideen und Befindlichkeiten werden seitens des Autors aufgegriffen, manchmal be- und verarbeitet wie Teig, der quillt und duftet oder sich jeder wohlmeinenden Interpretation verwehrt. (...)

Julia Rafael
Literarisches Österreich 2008/1, Wien