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Lesungsnotizen ab 2015

Häferl, Wien, 12. Jänner 2017

Der Eingang fast wie die Pforte zu einem Märchen: Hinter der Mauer befindet sich ein weitläufiger Garten, und das Gemäuer zur linken Seite führt durch einen geradezu versteckten Gang zu einer Kirche hinan. Natürlich trugen das feuchte Wetter und die Dunkelheit des frühen Winterabends eine Menge zu diesem etwas schaurigen Eindruck bei. Im Haus residiert seit vielen Jahren eine Vereinigung, die unter anderem zahlreiche kulturelle Veranstaltungen durchführt. Deshalb war ich geladen, aus meinem Buch Hominide zu lesen.

Die Runde war, um eine Redewendung zu strapazieren, klein, aber fein. Franz Blaha moderierte, Lidio rezitierte aus seinen argentinischen Erzählungen, ich hatte Auszüge aus den verschiedenen Kapiteln meiner Erzählung vorbereitet, und nach unseren Darbietungen wurde gemeinsam gegessen und getrunken. Danach, gemäß der Sitte des Hauses, literarische Beiträge der Anwesenden.

Ein gemütlicher Abend voll der Plaudereien, mit Literatur, Kultur und Reiseerfahrungen. Viel zu schade, dass solche Veranstaltungen dann doch zu früh enden.

Museumsquartier, Wien, 10. Dezember 2016

Auf einer Buchmesse zu lesen, war doch eine neue Erfahrung für mich: Buchquartier 2016. Mehrere Räume des Museumsquartiers boten der Messe der Klein- und Independent-Verlage ein Forum; zum vierten Mal fand diese Veranstaltung bereits statt, die, im Gegensatz zur Buch Wien im November, viel familiärer und überschaubar wirkte.

Mein Auftritt wurde anmoderiert, ein paar Worte zu meiner Person gesagt. Das ist mir viel lieber so, denn wenn ich mich selbst am Beginn einer Lesung vorstellen muss, komme ich mir immer komisch vor. Wenns aber wer anderer macht, passt es.

Während meiner Lesung wurde – hinter meinem Rücken – das Cover meines Buches, Hominide, auf eine große Leinwand projiziert. Im Vorfeld hatte ich lange überlegt, welche Passage ich vorlesen sollte, und war dann doch beim Anfang verblieben. So, denke ich, kennt man sich als Zuhörerin oder Zuhörer am besten aus. Wer mehr haben möchte, wer den ganzen Sprachwitz auskosten möchte, wird sich das Buch hoffentlich kaufen.

Hinter den Sitzreihen für das Publikum schlossen die ersten Buchstände an, deren Repräsentanten meiner Darbietung sichtlich lauschten. Ansonsten war allerdings an diesem Vormittag noch nicht viel los, und so glich meine Lesung geradezu einem – unfreiwilligen – Privatissimum.

Fundació Valvi, Girona, 22. April 2016

Am Vortag des Sant Jordi hielt ich eine Lesung in Girona. Diese Stadt liegt etwa hundert Kilometer nördlich von Barcelona. Beim Zugang zum Schnellzug, den die Lyrikerin Marta Pérez Sierra für uns beide gebucht hatte, staunte ich über die Sicherheitskontrollen, die jenen eines Flughafens ähneln. Auf einem Bahnhof hatte ich so etwas noch nie gesehen.

Girona ist für den »Call« berühmt, das ist das alte jüdische Viertel mit vielen schmalen und verwinkelten Gassen – ein Paradies für Hobbyfotografen. Natürlich gibt es auch ein jüdisches Museum und eine einschlägige Buchhandlung, aber sonst ist außer Straßennamen und den Bezeichnungen von Restaurants nichts mehr von der einstigen Hochblüte zu sehen, die unter anderem den jüdischen Arzt, Rabbiner, Philosophen und Dichter Nachmanides hervorbrachte, der im 13. Jahrhundert wirkte. Girona gilt zudem als eines der wichtigsten kabbalistischen Zentren des Mittelalters.

Consol Vidal i Riera, die sich wegen ihrer Liebe zu tunesischen Landschaften selbst als Dichterin der Wüste, »la poeta del desert«, bezeichnet, hatte im Vorfeld alles organisiert. Gleich drei Institutionen führten Feder, nämlich das Kunsthaus Fundació Valvi, wo die Lesung stattfand, die Organisation der Freunde der Unesco in Girona, deren Vertreter Lluís Lucero durch die Veranstaltung führte, und die Buchhandlung Llibreria 22, die den Buchverkauf abwickelte. Zudem hatte sie einen jungen Pianisten gefunden, Blai Ciurana Abellí, der uns mit mehreren klassischen Stücken durch den Abend begleitet hat.

Am Nachmittag spazierten wir durch die Altstadt – auch Girona hat eine Rambla –, streiften den jüdischen Call, und Consol lud fast jede Ladenbesitzerin zur Lesung am Abend ein. Während dieses Spaziergangs hatte Blai eine Überraschung auf Lager. Vor Kurzem, erfuhr ich, hatte er eine Abhandlung über die Kirchenglocken Gironas verfasst. Er wusste ganz genau, wo welche und wie viele Glocken hängen, aus welchem Material sie bestehen und wie sie klingen. Quasi zur Illustration hob er, wenn irgendwo eine Kirchenglocke ertönte, den Kopf, sagte uns, welche das sei – die Glocken haben sogar eigene Namen! – und in welchem Gebäude sie sich befindet. Allein ihr Klang rief diese Information aus seinem Gedächtnis wie aus einer Enzyklopädie ab. Ein sehr ungewöhnliches Wissensgebiet, das ist klar, doch seine profunden Kenntnisse und vor allem, dass er jede Glocke sofort erkannte und charakterisierte, sicherten ihm meine Bewunderung.

In Girona merkte ich an diesem 22. April noch kaum etwas vom bevorstehenden Buchfest, doch die Medien ließen keinen Zweifel daran, dass sie alle literarischen und künstlerischen Veranstaltungen im Vorfeld, wie auch meine Lesung, irgendwie dazuzählten. So erklärte ich mir die Anwesenheit von TV Girona. Eine junge Journalistin produzierte einen Zweiminutenclip über die Lesung, inklusive Interview mit mir, bei dem ich viel nervöser war, als im Video zu sehen ist. Im Anschluss an die Lesung gab die anwesende gironesische Lyrikerin Isabel Oliva i Prat ebenfalls ein Pianostück zum Besten, denn sie hatte ihr Leben lang auch als Klavierlehrerin gearbeitet. Übrigens war sie erst vor Kurzem neunzig geworden, und ich freute mich, sie endlich persönlich kennenzulernen.

Lluís Lucero hielt eine ziemlich lange Einführungsrede über mich und mein Buch, Blaus, mit dem ich einen katalanischen Lyrikpreis gewonnen hatte. Er hat sich definitiv mit meiner Person und dem Buch beschäftigt – ich muss sagen, eine derart ausführliche Analyse habe ich noch nie erlebt. Die tolle Gestaltung mit Moderation, Klaviermusik und meinen Texten (ich las aus Blaus, während Cinta Mitjana ein paar Gedichte aus vortrug) hinterließ, so denke ich, nicht nur bei den Anwesenden einen großartigen Eindruck, sondern auch bei mir.

Literaturhaus, 1070 Wien, 16. Dezember 2015

Der Österreichische Schriftsteller/innen/verband lud zur Vorstellung der Anthologie Erbe und Auftrag, in der sich Texte der Mitglieder befinden, die in irgendeiner Weise mit dem Verband selbst und seiner Geschichte zu tun haben. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen durfte ich meinen Beitrag vortragen, einen kleinen Essay, der meine ganz persönliche Geschichte mit dem Verband erzählt. Diese Geschichte begann bereits 1987, als ich, als sehr junger Autor, der bis dahin lediglich ein paar Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften vorzuweisen hatte, als Mitglied aufgenommen wurde.

Viele gaben ihre Betrachtungen zur Geschichte des Schriftsteller/innen/verbandes zum Besten oder steuerten Humorvolles bei. Wie immer bei solchen Veranstaltungen nutzten wir, die Autorinnen und Autoren, die Gelegenheit zum Netzwerken. Und selbstredend auch zum Kennenlernen neuer Texte der andern.

Die Anthologie wurde bereits im Vorfeld an alle Mitglieder versandt, und im Literatur wurde sie zum Kauf angeboten. Der Abend endete nach der vielen Prosa und Lyrik, wie gewohnt, bei einem kleinen Buffet.

AU, 1160 Wien, 28. April 2015

Ein Abend im Zeichen von Sant Jordi - des Heiligen Georgs, Schutzpatron Kataloniens. Dieser Tag wird in den Katalanischen Ländern als Tag des Buches und der Rose gefeiert, und auf Ansuchen der katalanischen Regierung bei der UNESCO ist Sant Jordi, der 23. April, nun Welttag des Buches. Ein paar Tage nach diesem Datum hielten wir unsere Lesung in Wien im 16. Bezirk. Es war eine dreisprachige Lesung, den zu hören waren Deutsch, Katalanisch und Spanisch. Katalanen, Spanier und Österreicher feierten mit viel Poesie und Humor.

Marta Aràgnega las Gedichte ihrer Mutter Montserrat Gallart, zu denen ich die deutschen Übersetzungen beisteuerte. Christian Ribera las seine Texte katalanisch, Melamar die ihren deutsch. Mit Übersetzungen in die eine oder andere Richtung wurde der Abend für alle Anwesenden ein Genuss.