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Lesungsnotizen 2010-2014

Alte Schmiede 1010 Wien, 10. Juli 2014

Die Einladung war – für mich – überraschend erfolgt: Renata Zuniga, die mir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht persönlich bekannt war, hatte mich angerufen und gefragt, ob ich nicht an diesem Sommertermin teilnehmen wolle, mit meinem jüngsten Erzählband und zum Thema »Literarische Betrachtungen«. Ein gutes, weil offenes Thema, dachte ich und sagte sofort zu, auch weil ich sehr gern in der Alten Schmiede lese und weil meine Urlaubswoche in Kärnten erst zwei Wochen später geplant war.

Die Alte Schmiede ist schon ein Erlebnis für sich. Für Lesende und wohl auch für das Publikum. Damit meine ich gar nicht so sehr das Ambiente mit den alten Schmiedeinstrumenten, die zu Dutzenden an den Wänden es Gewölbes hängen, sondern die in Wien einzigartige Institution, die es geschafft hat, bei jeder ihrer Veranstaltungen zahlreiche Interessenten anzulocken. Auch an diesem Abend war der Saal gut besucht und nicht einmal eine Handvoll der Anwesenden kannte mich persönlich. Das ist mir stets wichtig, denn es bietet mir die Möglichkeit, meine Texte auch jenen literarisch Interessierten vorzustellen, die sie bisher nicht kannten.

Wir lasen zu dritt und Renata Zuniga moderierte: Jeden Einzelnen stellte sie vor und sprach auch ein wenig über unsere Bücher. Als die Reihe an mir war, las ich Kurzprosatexte aus Ohne Gummi vor. Darunter auch den Text über die Geburt meines jüngsten Sohnes, den Renata Zuniga als Geburt einer Tochter gelesen hatte. Diese kleine Anekdote wollte ich dem Publikum erklären, denn nachdem ich den Kommentar der Kollegin erfahren hatte, war ich auf die Suche gegangen, um schließlich festzustellen, dass es in meiner Geschichte keinen einzigen Hinweis darauf gibt, ob das Neugeborene ein Bub oder ein Mädchen ist. Daher interpretiert anscheinend jeder vorerst mal sein eigenes Geschlecht hinein. Eine aufschlussreiche Erkenntnis über Lesegewohnheiten und natürlich auch Psychologie.

Bücherei 1050 Wien, 27. Juni 2014

Zur Vorstellung der neuen Nummer der Literaturzeitschrift Driesch lud Verlagsleiter Haimo L. Handl mich zum Lesen ein. In dieser Nummer wurden nämlich eines meiner Gedichte aus einem neuen, sich in Arbeit befindlichen Lyrikband sowie Übersetzungen mehrerer Gedichte der katalanischen Autorin Consol Vidal Riera gedruckt.

Die städtische Bücherei in der Pannaschgasse im 5. Bezirk bot uns ein wunderbares Ambiente inmitten vieler Bücher und mit einem kleinen Buffet. Wir lasen zu dritt: Paul Auer hatte ich vor Jahren anlässlich der Preisverleihung des Kurzprosapreises des Österreichischen Schriftstellerverbandes kennengelernt, mit Monika Vasik traf ich zum ersten Mal zusammen. Geboten wurden Lyrik und Prosa, die Mischung kam beim Publikum sehr gut an, wie meist bei der Präsentation mehrerer Autorinnen und Autoren geriet der Abend kurzweilig und anregend. Haimo L. Handl gab den Lesungen den entsprechenden Rahmen, sagte jeweils ein paar Worte des zunächst Lesenden und sprach natürlich auch über die Aktivitäten des Verlages und der Literaturzeitschrift, die bereits in ihrem fünften Jahr erscheint und nach wie vor jedes Jahr eine stattliche Seitenanzahl vorlegt.

Auf die Internationalität ist Driesch besonders stolz, und diesmal fungierte ich als deren Vertreter. Ein Foto der Autorin zeigte ich über mein iPad, sodass nicht nur Consol Vidals Gedichte präsent waren, sondern, wenn auch nur bildlich, sie selbst. Ich las vier Gedichte aus ihrem viersprachig (katalanisch, französisch, spanisch, arabisch) erschienenen Buch Desert de llum, das ich mit Lichtwüste übersetzt habe. Selbstverständlich ließ ich mir nicht nehmen, auch diesmal eines der Gedichte zusätzlich im katalanischen Original zu lesen. Beim Publikum kam dies zu meiner Freude sehr gut an, viele schätzen es, gerade bei Lyrik auch die originale Sprachmelodie zu vernehmen.

Der Abend klang mit zahlreichen Gesprächen zwischen Autoren und Publikum aus. Lag es an den interessanten Texten? An den vielen Büchern, die ringsherum in den Regalen standen? An der Möglichkeit, mit den Schriftstellern ein persönliches Wort wechseln zu können? An der einladenden Zusammenstellung der Tische und Stühle für das Publikum? Ich denke, es war von allem etwas.

Kunstkammer 17, Wien 14. Juni 2014

»Rundum Literatur« hieß die Veranstaltung, und eine Reihe von Autorinnen und Autoren waren eingeladen zu lesen. Auch ich. Trotzdem wurde nichts daraus, denn ich lag mit einer Lungenentzündung daheim im Bett. Ich glaube, es war das erste Mal überhaupt, dass ich eine Lesung absagen musste, und das schmerzt.

Die Veranstaltung, habe ich mir sagen lassen, war gelungen. Ein schöner Abend also, an dem ich gerne teilgenommen hätte. Meine Erkrankung machte daraus ein »leider nein« ...

Literaturhaus Wien, 5. Mai 2014

Veranstaltet war die Lesung vom Österreichischen Schriftstellerverband. Wie gewohnt, möchte ich fast sagen, denn der OeSV ist hier oft zu Gast. Zu dritt bestritten wir das Programm, denn es lasen auch meine Kolleginnen Erika Kronabitter und Valerie Springer. Unser Programm brachte unterschiedliche Facetten, denn nach meinen Kurzprosastücken las Erika aus dem dritten Teil ihrer Trilogie, und Valerie gab Ausschnitte eines Romans zum Besten, den man durchaus als Kriminalroman bezeichnen kann.

Die Präsidentin des OeSV, Sidonia Gall, umrahmte unser literarisches Programm mit Informationen zu den Lesenden. Und das ist eine gewaltige Untertreibung: In ihrer unverkennbaren Art führte sie das Publikum in den, ich möchte sagen: poetischen Abend ein. Zu jedem Autor wusste sie Interessantes zu berichten, und ich selbst bin jedes Mal gespannt, welches Detail aus meiner Biografie sie heute präsentiert, denn da habe ich auch bei anderen Lesungen schon die eine oder andere – natürlich nette – Überraschung erlebt. Wenn andere den eigenen Werdegang betrachten, geraten nämlich meist Details ins Licht, an die man überhaupt nicht mehr gedacht hat.

Nach den Lesungen gab es zahlreiche Gespräche, und am Büchertisch konnten die Bücher, aus denen gelesen wurde, gekauft werden, aber auch andere. Wahrscheinlich dauerte die Veranstaltung wegen des geselligen Zusammenseins, eigentlich: Zusammenstehens, noch bedeutend länger als die Lesung selbst, denn wir haben nicht auf die Uhr gesehen ...

Villa Falkenhorst, Thüringen 10. November 2013

Als Erika Kronabitter mich fragte, ob ich nicht einmal in Vorarlberg lesen wollte, war ich gleich Feuer und Flamme. Eine Lesung gemeinsam mit ihr und Manfred Chobot, mit musikalischer Begleitung in der Villa Falkenhorst. Meine geografischen Kenntnisse wurden sogleich erweitert, denn den Ort Thüringen, wo die Kulturvilla steht, hätte ich eigentlich für ein deutsches Bundesland gehalten. Thüringen ist aber auch eine kleine Gemeinde mit knapp über zweitausend Einwohnern im Bezirk Bludenz.

Die Bahnfahrt machte ich mir mit Lesen, Dösen und Computerspielen sehr kurzweilig. Manfred Chobot, ebenfalls aus Wien, war mit seiner Frau bereits in der Nacht mit dem Autozug angereist. Wir wohnten mitten in Feldkirch, und die Heimreise hatten wir natürlich für den Montag angesetzt.

Die Villa Falkenhorst hielt eine Reihe von Überraschungen für mich bereit, denn ich fand mich in einem wahren Tempel der Kultur wieder, den ich in einer solch kleinen Ortschaft nicht erwartet hätte. Das Haus wurde vom Schotten Jon Douglass, dem Großvater des Schriftstellers Norman Douglas (ja, die unterschiedliche s-Schreibung ist korrekt!), in den Jahren 1836 bis 1837 auf einer Anhöhe erbaut. John Douglass hatte mit der Gründung einer Textilfabrik für wirtschaftlichen Aufschwung in Thüringen gesorgt. Und sein Enkel, Norman Douglas, wurde 1917 mit dem Roman South Wind bekannt. Die Familiengeschichte ist in der Villa Falkenhorst sorgfältig und sehr ansprechend dokumentiert.

Aber das Haus hat noch mehr zu bieten. Hier gibt es bildende Kunst, Literatur und Musik. Zur Zeit der Lesung waren im Keller Bilder und andere Exponate von Erika Kronabitter und Helga Cmelka ausgestellt. Im Erdgeschoß, in dem sich auch die Bibliothek befindet, hörten wir schon beim Eintreten Harfenmusik. Vier junge Mädchen, die uns danach auch in den Pausen der literarischen Darbietungen begleiten sollten, spielten bereits für das Publikum. Die Professionalität, mit der die jungen Damen die Harfe und die drei Hackbretter zum Klingen brachten, beeindruckte nicht nur mich. Die Hackbretter musste ich mir nach der Veranstaltung genauer ansehen, denn um ehrlich zu sein, hatte ich ein solches Saiteninstrument, das zu den Kastenzithern gehört, noch nie gesehen.

Manfred Chobot begann die Lesereihe und las überaus Witziges aus seinem jüngsten Buch Mich piekst ein Ameisenbär: Weltgeschichten. Dann kam ich dran und wählte ein paar Prosatexte aus Ohne Gummi. Erika Kronabitter bildete den Abschluss mit Auszügen aus ihrem neuesten Roman Nora. X.. Zu den Büchern der beiden Kollegen bereite ich derzeit Rezensionen vor, und – so viel mag schon verraten sein – die Lektüre hat mir große Freude bereitet.

Danach gabs persönliche Gespräche, ein Gruppenfoto, das nebst Bericht gleich ein paar Tage später in einer Vorarlberger Onlinezeitung erschien, ein Gang durch die Kunstausstellung und natürlich etwas zu trinken. Unser Büchertisch war gut besucht, einiges wurde gekauft, und fast alle der vierzig Anwesenden blieben noch ein Weilchen. Aber natürlich gingen wir dann in kleiner Autorenrunde noch etwas Gutes essen, und zwar in Feldkirch.

Leider war der Sonntag, also der Tag der Lesung, ziemlich verregnet, und wir fuhren eigentlich nur mit dem Auto. Am nächsten Tag – ich hatte extra einen etwas späteren Zug gewählt, um in Ruhe frühstücken zu können – sah das Wetter schon freundlicher aus. Sonnenschein, den ich nutzte, um durch die Fußgängerzone und über den Marktplatz zu streifen. Feldkirch, dachte ich, verdient wohl auch einen Kulturbrief, und insgeheim setzte ich dieses Vorhaben auf meine ganz persönliche Liste. Als ich dann im Waggon saß und langsam abfuhr, bemerkte ich, dass ich das Netzkabel meines MacBooks im Hotelzimmer vergessen hatte. Das war für die Fahrt zwar ärgerlich, doch ansonsten nicht so schlimm, denn ein kurzer Anruf bei Erika und die Tatsache, dass Manfred erst ein paar Stunden später das Hotel verließ, schickten das Kabel auf die Reise nach Wien, und zwei Tage später hatte ich es wieder.

Feldkirch ist ja auch jener Ort, wo ich 2005 einen Lyrikpreis erhielt. Dieser wird ebenfalls von Erika Kronabitter organisiert, aber damals kannte ich sie noch nicht. So schließen sich jedenfalls die Kreise.

Buchhandl. Schubert, St. Pölten 30. Oktober 2013

Gut, dass St. Pölten nur mehr eine halbe Bahnstunde von meinem Wohnort entfernt ist, gut, dass es dort die Literarische Gesellschaft St. Pölten mit ihren vielfältigen Veranstaltungen und der Kulturzeitschrift Etcetera gibt, und gut, dass sich in der niederösterreichischen Landeshauptstadt stets ein interessiertes Publikum für Lesungen findet. So füllte sich die Buchhandlung denn auch sehr rasch gegen 19 Uhr, und die bereitgestellten Stühle drohten fast auszugehen.

Die LitGes hatte eine Veranstaltung zum Tag des Tagebuches organisiert, bei der ich einerseits aus meinen Texten lesen durfte und andererseits Kurt Obermair auf der Kontragitarre und Yasmine Peruz für internationale, stimmungsvolle Musik sorgten. Unser Programm hatten wir gut abgestimmt, und so wechselten einander die Auszüge aus meinen Tagebuchauszeichnungen und daraus gewordene Kurzgeschichten und Erzählungen mit den musikalischen Einlagen der beiden ab. Da gab es musikalisch sehr eigenwillige Lieder auf Französisch, Portugiesisch, Romanes, Spanisch, Persisch und Italienisch zu hören. Das Publikum, fast dreißig Personen, zeigte sich begeistert.

Bei meinen Texten ging es mir darum aufzuzeigen, wie Tagebuchaufzeichnungen durchaus eine Quelle literarischer Publikationen sein können. Dazu hatte ich mir ein Kurzprosastück, einen Reise-Essay sowie die Erzählung Hominide ausgesucht.

Anschließend gab es ein kleines, von der LitGes bereitgestelltes Buffet, anlässlich dessen wir mit vielen der Anwesenden ins Gespräch kamen und zudem auch ein paar Bücher und Musik-CDs verkauften.

Café Prückel, Wien 9. Juli 2013

Heiß wars. Von den Texten her natürlich auch – so hoffe ich zumindest –, aber vor allem hinsichtlich der Temperatur. Christa Nebenführ, die Veranstalterin der Podium Sommerlesereihe, hatte schon befürchtet, dass wir aufgrund des heißen Wetters vor leeren Stühlen würden lesen müssen, aber das hat sich dann zum Glück doch nicht bewahrheitet. Um die Atmosphäre im Lokal trotzdem angenehm zu gestalten, ließen wir die Eingangstür offen, und so fand ein steter Luftaustausch statt.

Dabei war ich erschrocken, als ich bei meiner Ankunft erfuhr, dass die Lesung im Raucherraum stattfinden würde. Nun, geraucht wurde trotzdem nicht, und damit zerschlugen sich meine Bedenken. Gleich zu Beginn gab Christa bekannt, dass Raimund Bahr nicht kommen würde, weil er mit verdorbenem Magen im Bett lag – und dieses ist am oberösterreichischen Wolfgangsee doch ein Stück zu weit weg. Schade, denn ich hatte mich schon darauf gefreut, ihn wiederzusehen und nach der Veranstaltung mit ihm zu plaudern. Immerhin kenne ich Raimund schon seit fünfundzwanzig Jahren.

Da wir nun lediglich zu zweit waren, kam auf Kurt Mitterndorfer und mich die Aufgabe zu, etwas mehr Texte vorzulesen, als ursprünglich geplant. Somit fügte ich meiner Prosaauswahl eine weitere Kurzgeschichte hinzu, die ich ursprünglich aufgrund ihrer Länge nicht hatte vortragen wollen, und Kurt reihte ebenfalls um und legte ein neues Programm fest. Dass wir beide aus unseren jüngsten Publikationen im Arovell Verlag lasen, war ein Zufall, denn weder hatten wir uns abgesprochen, noch war uns so wirklich bewusst gewesen, dass wir, die wir uns primär vom Sehen – etwa bei den Jahresversammlungen der Grazer Autorinnen Autorenversammlung – her kannten, eigentlich Verlagskollegen sind.

So gaben wir also Prosa zum Besten, Geschichten zum Nachdenken, Geschichten zum Lachen, Bissiges und Ironisches, Leichtes und auch Schwerverdauliches. Das Publikum ging mit, und nach dem Programm hörten wir bei persönlichen Gesprächen, dass die Mischung des Programms sehr gut gefallen hat.

Nach den Lesungen und Christa Nebenführs abschließenden Worten gab es den gewohnten Plausch zwischen Autoren und Publikum, bei Kaffee und Kuchen beziehungsweise bei Salat und Bier. Dass in diesem traditionsreichen Café kein stilles Mineralwasser geführt wird, erstaunte mich indes – zumal ich das hier nicht zum ersten Mal feststellen musste –, doch auf mein Warum gab es lediglich ein gleichgültiges Achselzucken des Kellners.

Die Anwesenden stöberten noch in unseren Publikationen, die am Büchertisch auflagen, und in der neuesten Nummer der Literaturzeitschrift Podium. Die behandelt das Literaturland Kroatien und bringt eine Reihe von Texten der kroatischen Autorinnen und Autoren in deutscher Übersetzung. Eine Nummer, die auch ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Die Unterhaltungen dauerten noch so lange an, dass die Kellner bereits das Licht abdrehten und natürlich abkassierten, weil sie uns – so der Eindruck – endlich draußen haben wollten. Auch gut: Alles Schöne geht einmal zu Ende, und ich machte mich zu einem Spaziergang durch die Sommernacht auf.

Bezirksmuseum Mariahilf, Wien 28. Juni 2013

Ich war tatsächlich noch nie in einem Bezirksmuseum. Dass diese Lesung nun in einem solchen stattfand, war ein mehrfach lohnender Zufall. Haimo L. Handl und sein Driesch-Verlag hatten zur Präsentation der neuen Nummer der Literaturzeitschrift Driesch geladen. Neben Christl Greller und Leni Nusko durfte auch ich ein paar Stücke zum Besten geben. Während meine beiden Kolleginnen ihre eigenen Gedichte vortrugen, las ich Lyrik der katalanischen Autorin Sílvia Bel Fransi, deren Gedichte ich für die Zeitschrift übersetzt hatte.

Die Einleitung übernahm natürlich Haimo L. Handl, der – gewohnt wortgewaltig – die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift vorstellte. Diese befindet sich immerhin schon in ihrem vierten Jahr, und sie scheint immer dicker zu werden: Nummer 14 hat bereits 220 Seiten. Das macht aus der Literaturzeitschrift, die Driesch eigentlich ist, ein kleines Buch.

Auch für musikalische Unterhaltung war gesorgt, durch den Gitarristen Manfred Spehn, und das war eine weitere positive Überraschung dieses Abends. Ehrlich gesagt, ich bin immer wieder erstaunt, wie viele exzellente Musiker es in Wien und den Bundesländern gibt (denn Manfred kommt aus Drösing im nördlichen Niederösterreich, demselben Ort, in dem auch Haimo L. Handl seinen Wohnsitz hat), und bedaure gleichzeitig, dass diese nicht auch zu den ganz Bekannten gehören, denn sie hätten es so sehr verdient.

Aber zurück zu den literarischen Lesungen. Leni Nusko machte den Anfang und las ihre Gedichte aus der Driesch-Nummer, die miniaturen am meer. Das sind Gedichte, die man nicht einfach nebenbei »hinunterschlucken« sollte; das sind Gedichte, die Raum benötigen, die man ganz langsam genießen sollte, die Zeit zum Nachdenken einfordern. Ich bin sehr froh, dass ich sie in der Literaturzeitschrift in Ruhe nachlesen kann, und hoffe, dass auch das Publikum des Literaturabends von dieser Möglichkeit Gebrauch macht.

Nach einem Musikstück war ich an der Reihe. Einleitend erzählte ich ein wenig über die Autorin, Sílvia Bel, ihren Werdegang und ihre literarischen Arbeiten. Um die Sache zu illustrieren – und vielleicht auch, um zu verdeutlichen, dass sozusagen diesmal ich nicht ich war – lud ich ein Foto von Sílvia auf mein iPad und setzte dieses gut sichtbar für das Publikum auf den Vortragstisch. Dann stellte ich die Gedichte vor, in meiner deutschen Übersetzung sowie zwei auf Katalanisch, um einen Einblick in den Klang des Originals zu bieten. Beim Publikum kam das ausgezeichnet an – was ich natürlich erst nachher erfuhr, als wir uns bei einem kleinen Buffet unterhielten und ich mehrmals auf meine Darbietung angesprochen wurde. Sílvia hat ihre Gedichte in ihrem ersten Lyrikband L'Esbós (Die Skizze) veröffentlicht, und die Übersetzungen finden sich in Driesch Nr. 13 und Nr. 14.

Als Dritte im Bunde las Christl Greller ihre sieben Eissee-Gedichte und gab dem Publikum jedes Mal ein Rätsel zu lösen, da der so besungene See nämlich erraten werden sollte. Zum Glück waren ein paar Leute da, die in der österreichischen Seengeografie mit Abstand besser bewandert sind als ich. Da ging es in lyrischer Form um den Wörther See, den Neusiedler See und sogar die Alte Donau. Doch Christl Greller beschrieb auch ein kleines Gewässer, eigentlich einen Teich in der Nähe des Lainzer Tierparks, dessen Namen ich noch nie gehört hatte.

Weil ausreichend Zeit blieb, setzte Haimo L. Handl noch eins drauf und trug einen Text von Friedrich Nietzsche vor, der in der Rubrik Ausgrabungen/Excavations von Driesch abgedruckt ist. Es geht um eine Brandung – das Thema von Nr. 14 –, aber und vor allem um die Wirkung der Frau aus der Distanz.

Nach den Lesungen und dem abschließenden Gitarrenstück von Manfred Spehn lockten mich die Exponate des Bezirksmuseums, zwischen denen unsere Stühle standen. Besonders hatte es mir ein vier bis sechs Quadratmeter großes Modell des Stadtteils um die Magdalenenstraße von vor über zweihundert Jahren angetan. Auch an diesem Modell entzündete sich ein Gespräch mit einem Lesungsgast, und so wurde ein Bogen von der Literatur zur Geschichte dieser Stadt gespannt. Irgendwann im Laufe der Gespräche und Betrachtungen wurde mir klar, dass dies keineswegs mein letzter Besuch in einem Bezirksmuseum gewesen sein wird.

Zum Abschluss entlockte ich Haimo noch ein Rezensionsexemplar des jüngsten Sammelbandes seiner geistreichen, mitunter recht bissigen, aber niemals ums richtige Wort verlegenen Sonntagskolumnen. Die Rezension gibt es demnächst ...

Amerlinghaus, Wien 5. Juni 2013

Der große Veranstaltungssaal des Amerlinghauses diente uns diesmal als Lesungsort; ein Raum, den wir bereits von früheren Lesungen kennen und der einem großen Publikum Platz bietet. So stellten wir denn Stühle für etwa vierzig Personen auf – die trotz anfänglicher Zweifel auch benötigt wurden.

Die Reihenfolge war bereits im Vorfeld abgesprochen, und wir hatten kurze Biografien vorbereitet, damit jeder von uns den jeweils nächsten Lesenden ankündigen konnte. Wir lasen Prosa und Lyrik aus unseren im Februar bei Arovell erschienenen Büchern und merkten bald, dass wir das Publikum mit der Verschiedenartigkeit unserer Texte nicht nur fesselten, sondern auch begeisterten.

Über die Texte selbst ist nicht viel zu sagen – sie sprechen für sich selbst, in den genannten Büchern, die in jeder Buchhandlung und über Amazon bestellbar sind. Für uns Autorinnen und Autoren sind die nachfolgenden Gespräche – wir hatten Wein, Mineralwasser und ein paar Knabbereien mitgebracht – oft am Interessantesten, weil wir hier zumeist eine Menge Feedback zu unseren Texten und den Lesungen selbst erhalten.

Wie immer gab es einen Büchertisch, und die meisten Bücher wurden nach vorangegangenem persönlichen Gespräch mit der Autorin oder dem Autor gekauft. Uns ist es natürlich eine besondere Freude, den Zuhörenden nun auch etwas mitgeben zu können: die Texte des Abends und noch viele andere.

Wiener Sargfabrik, Wien 14. Mai 2013

Vier neue Bücher im Arovell Verlag: vier Lesungen. Die Buchpräsentation in der Sargfabrik bringt nicht nur Literatur, sondern auch Musik, nämlich von JUM - Jazz Und Mehr. Die Autoren lesen jeweils zweimal, sodass die Anwesenden Lyrik und kurze Prosastücke oder Erzählungen sowie ebenso kurze Musikstücke genießen können.

Nicole Mahal, Nora Vedra und Klaus Ebner lesen Kurzgeschichten und Prosa, Martin Dragosits liest aus seinen Gedichten. Alle Texte liegen seit Februar im Arovell Verlag auf. Der Büchertisch bietet allerdings mehr, da die Autoren auch ältere Buchpublikationen mitbrachten, teils ebenfalls aus dem Arovell Verlag, teils bei anderen Verlagen erschienen.

Das Café der Sargfabrik ist mit den über dreißig Anwesenden gewissermaßen rammelvoll. Da es aber ein sehr milder Frühlingsabend ist, stehen alle Türen weit offen. Im kleinen Rahmen gibt es ein Kommen und Gehen, denn auch von draußen, knapp bei der Tür, kann man den literarischen Darbietungen lauschen.

Leider ist dann um zehn Uhr Schluss. Musik darf zu dieser Stunde nicht mehr sein, und so endet das bis ins kleinste Detail perfekt durchgeplante Abendprogramm. Publikum und Autoren bleiben allerdings noch sitzen, trinken Kaffee, Mineralwasser und Bier, tratschen über Literatur und die Welt, und so manches Buch wechselt seinen Besitzer. Mit anderen Worten: Schön wars!

Kunstraum Ewigkeitsgasse u. Yppenplatz
Wien 10. Mai 2013

Zum achtzigsten Mal jährt sich der Beginn der Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten. Die Bücher einer Reihe heute bekannter wie auch unbekannter Autorinnen und Autorinnen landeten damals auf dem Scheiterhaufen. Und wie wir alle wissen, hat sich Heinrich Heines Aussage, wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen, sehr bald danach bewahrheitet.

Etwa dreißig Autorinnen und Autoren trafen zuerst im Kunstraum Ewigkeitsgasse im 17. Wiener Gemeindebezirk zusammen, um aus den Werken der Verbrannten und Geächteten zu lesen. Die meisten der Anwesenden begaben sich dann in den Roten Salon am Yppenplatz, um aus eigenen Werken zu lesen. Leider dezimierte das verregnete Wetter die nicht-selbst-schreibende Zuhörerschaft sehr radikal, sodass die Veranstaltung gewissermaßen familiär blieb. Nach den Lesungen am Yppenplatz ging es wieder zurück in den Kunstraum, wo der Abend mit einem Klavierkonzert seinen Ausklang fand.

Gasthaus Am Kalvarienberg, Wien 5. April 2013

Zweifellos ist das Kulturnetz Hernals eine kulturelle Institution des Bezirks. Zugegeben, wir sprechen hier nicht von der großzügig subventionierten »Hochkultur«, sondern von einer Gruppe engagierter Autoren, bildender Künstler und Musiker, die es sich nicht nehmen lassen, ihre Kunst nicht nur zu leben, sondern ihre Umgebung daran teilhaben zu lassen.

Am 5., 6. und 7. April findet Rundum Literatur statt, drei Abende, vollgepackt mit Literatur von Autorinnen und Autoren des Bezirks und aus anderen Teilen der Republik, mit musikalischen Einlagen und einer Vorstellung des Verlagshauses Hernals, das nach der 5er Edition nun auch eine 17er Edition plant; das ist eine Anthologie mit Texten von im Bezirk ansässigen Schreibenden, wie Herausgeber Harald Pesata erklärt.

Nach der Einleitung von Roman Lechner, dem Obmann des Kulturnetzes, geleitet Daniela Schmeiser durch das Programm, stellt die Autorinnen und Autoren jeweils mit Angaben zu ihrer Biografie und dem literarischen Schaffen vor.

Der Abend gerät bunt, denn es wird eine ganze Menge geboten. Peter Bosch, Norbert Mayerhofer, Lisa Eder, Klaus Ebner und Claudia Rismondo präsentieren Lyrisches und Prosaisches, Dialektliteratur, Humoristisches und Ernstes. Die Mischung aus Hernalser und Gastautoren sorgt für Themen mit und ohne Bezug zum Bezirk.

Die musikalischen Klangerlebnisse und kurze Pausen lockern das Programm gekonnt auf und geben Raum für persönliche Gespräche zwischen Publikum und Vortragenden. Danach mündet die Veranstaltung nach neun Uhr in geselliges Beisammensein.

Salon für Kunstbuch, Wien 13. März 2013

Seit ihrer Gründung veranstaltet die Grazer Autorinnen Autorenversammlung sogenannte Massenlesungen, das sind Lesungen mit zwanzig und dreißig Autorinnen und Autoren, denen dann jeweils bloß fünf Minuten zur Verfügung stehen, ihre Texte zu präsentieren. Lyrik im März findet alljählich ... im März statt.

Dieses Jahr im 21er Haus, im Salon für Kunstbuch, gleich gegenüber der Megabaustelle des Wiener Zentralbahnhofs. Trotz der vielen Lesenden wird der Rahmen von 18:00 bis 21:00 exakt eingehalten, allerdings sind die drei Stunden ein Lesemarathon, der lediglich durch Gerhard Jaschkes Einleitungen und Vorstellungen unterbrochen wird, der die gesamte Lesung, wie auch in den Jahren davor, moderiert.

Das Publikum ist groß – überraschend groß – mit deutlich mehr als hundert Anwesenden, doch sind die meisten der Zuhörenden wiederum Autorinnen und Autoren. Was einerseits die Verbundenheit der GAV-Mitglieder herausstreicht, zeigt wohl andererseits, wie grotesk die Literaturszene heutzutage sein kann: Autoren schreiben für Autoren, Autoren lesen für Autoren. Die literarisch interessierte, selbst nicht schreibende Zuhörerschaft scheint sich heute lieber hinter Computerspielkonsolen und Fernsehern zu verschanzen, denn sie hat sich verlaufen. Was aber ist eine Massenlesung ohne ihr Massenpublikum?

Natürlich war Lyrik im März inhaltlich wieder ein hochinteressanter Abend. Zahlreiche sehr unterschiedliche Herangehensweisen ans Gedichteschreiben, jede Autorin und jeder Autor mit einer ganz eigenen Stimme – freilich nicht nur im Vortrag, sondern insbesondere in lyrischer und sprachlicher Hinsicht. Große Namen wie Friederike Mayröcker, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Robert Schindel und Bodo Hell, bekannte und weniger bekannte Poeten, gemäß dem Anspruch der Autorenvereinigung, bei ihren Veranstaltungen niemanden zu bevorzugen oder umgekehrt eben zu benachteiligen.

Die diesjährige Veranstaltung (und nicht nur diese) ist gleichzeitig das vierzigjährige Jubliläum der Grazer Autorinnen Autorenversammlung. Eine ehrwürdig lange Zeit in unserer schnelllebigen Welt. Zu diesem Anlass liegt eine neue Broschüre von Andreas Renoldner auf, in der überblicksartig diese 40 Jahre Geschichte vorgestellt und beleuchtet werden. Da ist die Rede vom Konflikt mit dem Österreichischen PEN in den Siebzigerjahren, von der daraus resultierenden Gründung in Graz, von den ersten Vorständen H. C. Artmann, Gerhard Rühm, Ernst Jandl, Heimrad Bäcker und Heidi Pataki, von der Gründung der IG Autorinnen Autoren durch Gerhard Ruiss und Hannes Vyoral, und vom steten Anstieg der Mitgliederzahlen. Eine Broschüre, die gerade zur rechten Zeit fertig wurde und ein Licht auf die Jahre wirft, die vor allem den jüngeren Autorinnen und Autoren kaum geläufig sind.

Den Abschluss des Lesemarathons bildet ein Text von Rolf Schwendter, dem derzeitigen Präsidenten der GAV, der die Veranstaltung jedes Jahr von Neuem ins Leben ruft. Sein Gedicht handelt natürlich von dem von ihm vorgegebenen Thema »Eine Veranstaltung kommt selten allein«, an das sich die meisten Lesenden – auch das ist inzwischen Tradition – nicht gehalten haben.

Nach der Lesung finden zahlreiche persönliche Gespräche statt. Ein Teil der Anwesenden zieht sich dann zur Gastronomie im Untergeschoß des Hauses zurück und lässt dort den Abend – rhythmisch berieselt von viel zu lauter Musik – gesellig ausklingen.

ÖGL, Wien 11. Oktober 2012

Die Lesungen in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur im Palais Wilczek in der Wiener Innenstadt haben eine lange Tradition; unter anderem auf der Webseite der ÖGL ist diese dokumentiert. Am 11. Oktober 2012 sind Friedrich Hahn und Klaus Ebner geladen. Hahn liest aus einem Roman und Ebner aus Reise-Essays.

Marianne Gruber, die Präsidentin der Gesellschaft, stellt die Autoren jeweils vor, bevor es dann zur eigentlichen Literatur geht.

Im Foyer befindet sich der Büchertisch, der zum Blättern und Kaufen einlädt. Natürlich finden sich hier auch Informationen zum reichen Veranstaltungsprogramm der Gesellschaft, diverse Broschüren und eben Bücher.

Zum Ausklang gibt es persönliche Gespräche mit den Autoren, allerdings verläuft sich das Publikum an diesem Abend doch rasch – denn die guten Restaurants der Inneren Stadt sind verlockend!

Galerie Heinrich, Wien 25. Juni 2012

Zu einer Sommerlesung lud der Österreichische Schriftstellerverband diesmal in die Galerie Heinrich im sechzehnten Wiener Gemeindebezirk. Galerie Heinrich ist eine Institution, die am Beginn der Thaliastraße Raum für Kultur nebst einer kleinen Ausschank bietet. Das Veranstaltungsprogramm verrät eine enge Kooperation mit den Wiener Festwochen, doch gibt es zusätzlich Musik- und Literaturveranstaltungen, wie eben die heutige des Schriftstellerverbandes.

Drei Autoren des Verbandes bestreiten den Abend. Die Präsidentin des OeSV, Frau Dr. Sidonia Binder, hält eine einleitende Rede und stellt zudem jeden Lesenden mit biobibliografischen Informationen vor. Diese Informationen können die Zuhörenden freilich auch in gedruckter Form mitnehmen.

Den Anfang der Textvorstellungen macht Klaus Ebner mit Auszügen aus seinen Reiseessays, die unter dem Titel Dort und anderswo im Welser Mitterverlag erschienen sind. Dagmar Fischer schließt mit Lyrik an. Ihr Band los gesagt kam im ebenfalls oberösterreichischen Verlag Edition Art Science heraus. Den Abschluss bildet der aus Argentinien stammende Lidio Mosca-Bustamante mit Proben aus seinen neuesten Erzählungen Tango Kontinuum.

Alles in allem erlebt das Publikum einen ausgewogenen literarischen Abend, der vieles bietet, vom literarischen Essay über empfindsame Lyrik hin zu Erzählungen, die Einblicke in eine südamerikanische Gesellschaft bieten.

Die eineinhalb Stunden Lesung vergehen sehr rasch, und danach finden sich Autoren und Zuhörerschaft im Vorraum wieder, in der Schenke, um bei einem Glas Wein oder Mineralwasser Gedanken auszutauschen. Die Galerie Heinrich erweist sich somit einmal mehr als ein Ort kultureller Begegnungen.

Café Kafka, Wien 23.04.2012

Welttag des Buches. Zehn Autoren des Driesch-Verlages geben Kostproben aus ihrem literarischen Schaffen. Das kleine Café im Wiener Innenbezirk ist zum Bersten voll, die Kellnerin hat alle Mühe, sich zwischen Autoren und Zuhörenden durchzuwuzeln.

Bei dieser Menge von Autorinnen und Autoren gibt es natürlich alles: Gedichte und Prosa, Geschichten und Theaterdialoge sowie Auszüge aus Essays; sogar Englisches kommt vor und eine Präsentation, die an Performance grenzt. Die Vortragenden haben alle bereits in der Literaturzeitschrift Driesch oder im gleichnamigen Verlag publiziert, das verbindet sie auf gewisse Weise.

Die Lesung zum Welttag des Buches hat inzwischen Tradition, und wer sie besucht, weiß, welch buntes Kaleidoskop literarischer Produktion sie oder ihn erwartet. Auch nach den Lesungen und Worten des Verlagsleiters zur Zeitschrift, die sich inzwischen im dritten Veröffentlichungsjahr befindet, gehen die Gespräche zwischen Schreibenden und Zuhörenden weiter.

Das Einzige, was man an dieser Lesung theoretisch bekritteln könnte, ist, dass für jede Autorin und jeden Autor natürlich nur ein paar Minuten bleiben, damit der literarische Abend nicht jeden Rahmen sprengt. Zum Glück schafft der Büchertisch da Abhilfe. 

Galerie Zeller, Stammersdorf 20.04.2012

Das Künstlerehepaar Zeller lud zu einer Lesung in die hauseigene Galerie. Klaus Ebner liest bereits zum zweiten Mal in Stammersdorf, vor einem kleinen, interessierten Publikum. Zu diesem Anlass gibt es Lyrik und Kurzprosa, aber auch Ausschnitte aus den beim oberösterreichischen Mitterverlag erschienenen Reise-Essays gibt es zu hören.

Erlebnisse auf Korsika werden schließlich zwischen den Anwesenden ausgetauscht, denn nicht nur einer der Reise-Essays erzählt davon, sondern mancher im Publikum hat die Insel ebenfalls kennengelernt und vergleicht nun das Selbsterlebte mit dem Essay des Buches Dort und anderswo.

Der Autor erzählt noch weitere Anekdoten rund um seine Geschichten und um die Erlebnisse, die er in den beschriebenen Ländern gewonnen hat. Die so entstehenden Gespräche werden zum Buffet fortgesetzt, und den Abschluss bilden weitere Texte aus den Büchern des Wiener Autors.

Das Ambiente lädt wie gewohnt zum Betrachten der künstlerischen Arbeiten von Eva und Manfred Zeller ein, Gegenständliches und Landschaften ebenerdig und Abstraktes im Hochgeschoß. Die Gedichte und Prosatexte, die Klaus Ebner zu Aquarellen von Manfred Zeller schrieb, wurden natürlich auch in die Lesung eingeflochten und lassen das Publikum eine ganz besondere Wechselwirkung zwischen Bild und Sprache erleben.

Köllazega, Großengersdorf 23.03.2012

Literatur und Heuriger, aber mehr noch Literatur und Kunst. So war es zumindest gedacht. Bereits seit drei Wochen stellte Manfred Zeller in Großengersdorf Aquarelle aus, und am 23. März war ich eingeladen, aus meinen literarischen Werken zu lesen. Den Anfang machte ich mit Gedichten und Prosatexten, die ich zu Manfred Zellers Bildern geschrieben hatte – Einsichten eines Betrachters, der sich nicht immer sklavisch an den realen Gegenstand der Bildnisse hält und so seine eigenen Empfindungen zum Ausdruck bringt, die aus dieser interessanten Berührung zwischen Kunst und Literatur entstehen.

Viele Heurigengäste saßen bereit und schienen der Einführung und den Vorträgen aufmerksam zu folgen. Gemeinsam mit Manfred Zeller suchte ich das jeweilige Exponat, zu dem ich einen Text vorlesen konnte. Dann aber eine Überraschung: Der Lokalbesitzer, der ja die gesamte Veranstaltung ins Leben gerufen hatte, kam zu uns und forderte uns mit Nachdruck auf, nun doch endlich still zu sein, denn wir »würden ihm die Gäste vertreiben«.

Woraufhin wir nur mehr eine kleine Privatlesung fortführten, an unserem eigenen Tisch, an dem auch die ob der Intervention peinlich berührte Vertreterin des Gemeinderates von Großengersdorf Platz genommen hatte. So fand die ganze Geschichte zwar noch für eine Handvoll Leute einen stimmungsvollen Ausklang, doch hat sich die Erfahrung eingeprägt, dass sich Literatur und Heurigen wohl doch nicht so gut vertragen.

Galerie Zeller, Stammersdorf 07.12.2011

In Stammersdorf ganz im Norden von Wien gilt die Galerie des Künstlerehepaars Zeller bereits als Institution. Regelmäßig veranstalten Eva und Manfred Zeller kulturelle Veranstaltungen, die Verquickung von Malerei, Musik und Literatur liegt ihnen ganz besonders am Herzen. Am heutigen Abend gibt es eine Lesung des Wiener Schriftstellers Klaus Ebner, der im Ambiente der Zellerschen Aquarelle und Ölbilder aus seinen Büchern liest. Ein Buffet rundet die Veranstaltung ab und bietet nicht nur nach dem Vortrag, sondern, wie sich herausstellt, auch mitten drin im Rahmen einer Pause Gelegenheit zu anregenden Gesprächen über Kunst und die Welt.

Manfred Zeller stellt den Autor mit zahlreichen biografischen Informationen vor und zeigt immer wieder Parallelen zu seinen eigenen künstlerischen Erfahrungen auf. Dazu passt dann auch die Erzählung Der Ruch von Kaffee, die der Autor gleich am Beginn zum Besten gibt. Weiter geht es mit Kurzprosa und Gedichten. Denn vor allem die Lyrik hat es dem Publikum angetan.

Klaus Ebner trägt aus zwei Lyrikbänden vor, einer davon zweisprachig, denn die enthaltenen Gedichte hat der Autor, wie er mit vielen Anekdoten erzählt, auf Katalanisch geschrieben und dann selbst ins Deutsche übersetzt. Im zweiten Teil der Lesung gibt es auch einen Reise-Essay aus einem erst vor Kurzem erschienen Buch, und dieser führt das Publikum nach Kärnten, oder genauer: ins deutsch- und slowenischsprachige Kärnten.

Das Publikum blieb zwar klein, ist aber überaus interessiert, nicht nur an den literarischen Texten, sondern auch an den Entstehungsgeschichten, die der Autor zwischendurch erzählt. Obwohl der Leseabend bis in die Nachstunden andauert, lässt die Aufmerksamkeit zu keinem Zeitpunkt nach. Manfred Zeller trägt zum Ausklang noch seine lyrischen Gedanken zu einem Spaziergang in der Umgebung vor, den er tagsüber unternommen hat. Und schließlich erfreut sich auch der Autor noch an den in zwei Stockwerken ausgestellten Exponaten des Künstlerehepaars, bevor er mit einer der letzten Straßenbahnen ins Zentrum Wiens zurückfährt.

Landesbibliothek NÖ, St. Pölten 04.11.2011

Wieder lud die Literarische Gesellschaft zu einer Autorenlesung, diesmal zum Tagebuchtag, also darf man Aufzeichnungen aus Tagebüchern erwarten. Gleich in der Einleitung ist zu erfahren, dass die Beiträge der Autorin und der Autoren sehr unterschiedlich sind. Den Beginn macht Manfred Lagler mit sehr persönlichen und spirituellen Erfahrungen, die er in Form von Tagebucheintragungen niedergeschrieben hat. Immer wieder Zitate von anderen Autoren und Philosophen, die er gekonnt in die eigenen Überlegungen einflicht. Danach trägt Klaus Ebner Reiseberichte vor. Sie stammen, wie er dem Publikum erläutert, zu einem guten Teil aus seinen Tagebuchaufzeichnungen. Das soeben erschienene Buch Dort und anderswo sammelt eine ganze Reihe von Reise-Essays, und der Autor erklärt, dass er nicht selten Teile seines Tagebuches zu solchen Essays umarbeitet und erweitert. Der vorgetragene Text führt ins Roussillon, das auch als Nordkatalonien bezeichnet wird. Zum Vergleich oder als Kontrast liest er noch Aufzeichnungen zur französischen Touraine, wie sie direkt im Tagebuch stehen. Den Abschluss des Lesetrios bildet Doris Kloimstein, die Kennern der Literarischen Gesellschaft St. Pölten ja schon seit Langem bekannt ist. Ihr Tagebuch ist ein ganz Spezielles, nämlich das imaginäre Tagebuch eines Pferdes. Überlegungen des Tieres zu seinen Reitern, die sich unterschiedlich geschickt anstellen und so die Laune des Reittiers auf die eine oder andere Weise beeinflussen, und das sorgt natürlich für den einen oder anderen Lacher. Die wunderbarste Erkenntnis dieses Abends ist wohl die, wie viel man in einem Tagebuch literarisch anstellen kann und wie bunt und vielfältig die Ideen unserer Autorinnen und Autoren sind.

Den gewohnten Ausklang bietet ein kleines, aber traditionelles Buffet mit Brot und Aufstrich, und natürlich darf auch der Büchertisch nicht fehlen. Viele persönliche Gespräche entstehen, die Literaten plaudern von ihren Erfahrungen mit dem Schreiben und dem Reisen. Es gibt Interessantes zu Tagebüchern, spirituellen Erkenntnissen und natürlich zu den Gedanken von Pferden ...

Second Life, WWW am 07. und 09.10.2011

Wieder luden Kirsten Riehl und Thorsten Küper zu Lesungen in der elektronischen 3D-Welt Second Life. Diesmal wurde allerdings ein ganzes Festival veranstaltet, das Festival der Liebe, ein Reigen künstlerischer Veranstaltungen, der sich über drei Tage zog. Über neun Monate hatte sich die Planung gezogen, wie die beiden in einer dreiviertelstündigen Videodokumentation verraten, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Über siebzig Künstler aus allen Sparten: bildnerische Künstler ebenso wie Musiker und Schriftsteller.

Zu diesem Fest war ich gleich zweimal geladen, um meine Texte einem interessierten Publikum vorzutragen, einmal am Freitag und einmal am Sonntag. Gleichermaßen gut besucht ‐ rund dreißig Avatare tummelten sich am jeweiligen Lesungsort ‐, lauschten manche gleich zweimal meinen Darbietungen, während andere jeweils einen der Termine wahrnahmen.

An beiden Tagen gab es Prosa, am Freitag auch ein wenig Lyrik. Obwohl es schwierig ist, in Second Life die Reaktionen des Publikums zu erkennen, weil man genau genommen gar nicht wissen kann, ob die Zuhörer, deren Avatare im Saal sitzen, überhaupt noch vor dem Computer sitzen, erfolgt die Anerkennung zwischen den Texten sowie am Ende der Lesung: Das Feedback langt schriftlich ein und reicht vom simplen Dankeschön über vorgefertigte und zumeist halb grafische Begeisterungsäußerungen hin zu ganz persönlichen Worten. Zeit für anschließende Gespräche gab es diesmal nicht, denn das Festival wechselte im Halbstundentakt von einem Künstler zum nächsten.

Der Vorteil solch virtueller Lesungen liegt auf der Hand: Ganz egal, wer wo daheim ist oder sich gerade befindet, kann man Veranstaltungen in Second Life besuchen. Lediglich ein Computer mit Internetanschluss und einem Second Life Viewer wird benötigt, und es kann losgehen. Künstlerische und literarische Veranstaltungen dieser Art sind überregional, sind übernational, sind überkontinental - man kann sie tatsächlich weltweit besuchen und sitzt trotzdem im eigenen Wohnzimmer.

Bibliothek Strobl 08.08.2011

Die Lesung, zu der die Bibliothek in Strobl lud, findet im Rahmen der Strobler Literaturtage statt, die alljährlich vom Leiter der Edition Art Science gemeinsam mit der Organisatorin des Feldkircher Lyrikpreises am Wolfgangsee abgehalten wird. Acht Autorinnen und Autoren treten auf, darunter die beiden Veranstalter Raimund Bahr und Erika Kronabitter. Dass es bei so vielen Autoren ein bunter Abend wird, liegt gewissermaßen auf der Hand, und dennoch ist das Publikum von einer derart abwechslungsreichen Kost überrascht und zeigt sich rasch begeistert.

Walter Baco betätigt sich auch musikalisch und schreibt und inszeniert Hörspiele. Sein Vortrag ist gleichzeitig Literatur und Performance, seine zuhöchst gelungene Darbietung von eigentlich banalen Alltagssituationen bringt die Zuhörenden dazu, Tränen zu lachen. Peter Bosch liest aus seinem Roman, in dem, mit viel Witz und Ironie, so viel passiert, dass einem schon mal der Kopf schwirrt. Ganz anders Roland Alton, der sein Internetbuch vorstellt, einen engagierten und intellektuellen Text über Ethik und darüber, wie man auch heute ressourcenschonend und mit seiner Umwelt im Einklang leben kann; die sich in Vorbereitung befindliche zweite Version dieses Werkes wird auch im Druck erscheinen. Erika Kronabitter stellt Auszüge aus ihrem letzten Roman vor, die Geschichte eines Justizwachebeamten, der sich in ein Netz aus privaten und beruflichen Widrigkeiten verstrickt; dieser Roman ist der zweite Teil einer noch nicht abgeschlossenen Trilogie. Sehr eindringlich beschrieben dann die Geschichte einer alternden Frau, deren Gehör zunehmend nachlässt; sie wird erzählt von Christine Hartmann. Raimund Bahr gibt Kostproben aus einem sich im Werden befindlichen Kriminalroman zum Besten, während Klaus Ebner Kurzprosa und erst kürzlich in Buchform publizierte Stimmungslyrik liest. Zum Abschluss verblüfft Dine Petrik mit ihrer betont rhythmisch gelesenen Prosa, die das Erleben der schauspielerischen Präsenz der Autorin ganz in den Vordergrund stellt.

Trotz einer Parallelveranstaltung des Kirchenchors ist die Lesung sehr gut besucht. Das Auditorium kommt bei dem perfekt gemischten Programm nicht nur auf seine Kosten, sondern bleibt auch danach, bei kleinen Erfrischungen und Snacks, um mit den Künstlerinnen und Künstlern zu plaudern, sie über ihre Bücher und ihre aktuellen Arbeiten zu befragen und sich Anregungen für den nächsten Bücherkauf zu holen. Erst spät in der Nacht leert sich die Bibliothek, und die Autorinnen und Autoren begeben sich in ihre Unterkünfte zurück, wo sie sich während der nächsten Tage kritisch mit den Rohversionen von brandneuen Manuskripten auseinandersetzen.

Café Kafka, Wien 23.04.2011

Internationaler Tag des Buches. Der niederösterreichische Driesch-Verlag, der die gleichnamige Literaturzeitschrift sowie literarische Titel auflegt, lud zur alljährlichen Autorenlesung. Dass der Tag diesmal in die Osterferien fällt, zeigt seine Auswirkung: die Veranstaltung ist nicht so gut besucht wie in den Jahren davor, das Café böte noch Platz ...

Dennoch gehen die Autoren mit viel Freude und Elan an ihre Aufgabe. Sie lesen Prosa und Lyrisches, aus Büchern, die auch während der Veranstaltung zum Kauf angeboten werden, oder aus einer der letzten Nummern der Literaturzeitschrift.

Manche der Autoren sind so gut wie jedes Jahr dabei und stellen Neues aus der eigenen Schreibwerkstatt vor, zumeist Texte, die bereits in Buchform vorliegen: Martin Dragosits etwa, Klaus Ebner, Lidio Mosca-Bustamante und selbstverständlich der Verlagsleiter selbst, Haimo L. Handl.

Die Lesung dauert etwa eineinhalb Stunden, und dann gibt es viel Raum für persönliche Gespräche zwischen Publikum und Autoren. Der Tag klingt aus als das, was er war: ein Tag des Buches.

Buchhandlung Thalia, 1060 Wien 14.04.2011

Im Rahmen des regelmäßigen Veranstaltungsprogramms der Buchhandlung Thalia auf der Wiener Mariahilferstraße fand am 14. April eine Lesung anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Arovell-Verlages statt. »Zwanzig Jahre für einen Kleinverlag«, meinte Ilse Ullrich von Thalia in ihrer Einleitung, »das ist schon eine kleine Sensation«. Zu diesem Jubiläum brachte Arovell gleich zwei Anthologien heraus, und die beiden Herausgeber, Klaus Ebner und Christine Werner, sollten den Leseteil bestreiten.

Verleger Paul Jaeg, der eigens aus dem oberösterreichischen Gosau, dem Sitz des Arovell-Verlages, angereist war, plauderte ein wenig aus den Anfängen, davon, wie er als junger Autor seine ersten Bücher bei einem Münchner Verlag publizierte und schließlich beschloss, auch selbst einen kleinen Verlag zu gründen und jährlich zwei Bücher zu verlegen – und daraus wurden inzwischen zwanzig pro Jahr! Die verlegten Autoren stammen aus ganz Österreich, und neben den Verlagstätigkeiten hatte sich die Veranstaltung von Lesungen und Buchpräsentationen herausgebildet, die von den Autoren selbst tatkräftig unterstützt wird.

Die Anthologie Mit Wort und Paukenschlag enthält Prosa und Lyrik einer Gruppe von Arovell-Autoren, die unter der Bezeichnung Erste Wiener Trommelgruppe gemeinsame Aktivitäten setzt. Dieser Name geht darauf zurück, erklärte Paul Jaeg, dass man als wenig bekannter Autor bildlich gesprochen laut Krach schlagen muss, um den Literaturbetrieb auf sich aufmerksam zu machen. Als Herausgeber trug Klaus Ebner sein Avantpropos vor, das alle enthaltenen Autoren kurz charakterisiert. Danach auszugsweise Texte aus dem Buch.

Die Anthologie Die Zuckerlfabrik im Schulbankfach enthält ausschließlich Texte von Frauen ‐ das Buch erschien auch anlässlich des Internationalen Frauentages. Die Herausgeberin Christine Werner begann ihren Part mit einer kleinen Umfrage, etwa, was Sexismus eigentlich bedeutet, und einer Reihe sehr nachdenklich stimmender Anekdoten, etwa Aussagen bekannter Ministerinnen (sic!), die an einer Realität der Gleichberechtigung der Geschlechter durchaus zweifeln lassen. Danach wieder Auszüge aus dem Buch.

Zum Abschluss offerierte die Buchhandlung kleine Aufmerksamkeiten für die beiden Autoren sowie Brötchen und Wein für das Publikum. Ein paar Exemplare der Anthologien wurden gleich vor Ort verkauft, und weitere liegen natürlich auch für die nächste Zeit bei Thalia auf. Zwischen Autoren und Publikum entstanden Gespräche, und die letzten Diskutanten ließen sich schließlich noch bis in die späten Abendstunden im Büchercafé ausmachen.

Alte Schmiede, Wien 28.10.2010

Ein im wahrsten Sinne des Wortes attraktives Motto: wo noch keine/r war. Der Kunstverein Wien lud zu einer literarischen Veranstaltung, zur Vorstellung von Büchern dreier Autoren, die – in sehr unteschiedlicher Weise – zum Thema passen. Reinhard Wegerth präsentiert, moderiert, kommentiert. Die Texte fallen so unterschiedlich aus, dass es eine Freude ist, ihnen zuzuhören. Denn die Vorträge beginnen bei Kurt Fallnbügl mit in stark wienerisch gefärbten Reiseerzählungen aus Brasilien und Indien, Klaus Ebner führt fünf Millionen Jahre in die Vergangenheit, in einen Familienclan von Australopithecinen, während Winfried Gindl Streifzüge durch Wiener Peepshows und In-Lokale macht. Die drei Autoren werden jeweils kurz vorgestellt und lesen ihre Textauszüge. Anschließend an den literarischen Genuss gibt es eine Diskussion mit den Autoren, wobei die Fragen vom Moderator gestellt werden, der danach dem Publikum das Wort anbietet.

Literaturhaus Wien 06.10.2010

Sein fünfundsechzigjähriges Bestehen feiert der Österreichische Schriftstellerverband. Die Präsidentin Sidonia Binder erzählt aus der ersten Zeit, aus den Jahren unmittelbar nach Ende der Naziherrschaft, als der Verband viermal so viele Mitglieder zählte wie heute. Ebenso führen die beiden Nachrednerinnen Eleonore Zuzak und Marianne Gruber in jene Zeit zurück. Den Höhepunkt des heutigen Abends bildet indes der Abschluss des Kurzprosa-Wettbewerbes, der dieses Jahr durchgeführt wurde. Die fünfköpfige Jury wählte aus den anonymen Einsendungen drei Preisträger und vergab zwei Anerkennungspreise. Die ausgezeichneten Autoren kommen aus Wien, Graz und Salzburg, sind jedoch alle anwesend und lesen ihre preisgekrönten Texte. Den Beginn macht die Siegerin Ursula Wiegele mit einer Geschichte über den Großvater und seine Mondgeschichten. Anschließend der Text von Klaus Ebner über die Sprach- und Buchwelt rund ums Mittelmeer – ein Plädoyer für Toleranz und gegenseitigen Respekt. Marianne Jungmaier präsentiert eine Geschichte um eine Journalistin, die aus dem Leben der Autorin gegriffen sein könnte. Den Abschluss bilden die Beiträge, die einen Anerkennungspreis erhielten. Das ganze Programm wird von den Liedern der Autoren und Liedermacher Wolfgang Ratz und Georg Bydlinski umrahmt, auf Deutsch, Spanisch und Englisch. Zum Ausklang wartet der Schriftstellerverband mit einem reichhaltigen Buffet auf – zum Stärken nach so viel Kultur!

Stadtmuseum St. Pölten 19.05.2010

Ein Jubiläum wie dieses gibt es nicht alle Tage: Die Literarische Gesellschaft St. Pölten (LitGes) feiert ihr fünfundzwanzigjähriges Bestehen. Zu diesem Anlass erschien die vierzigste Nummer der Literaturzeitschrift Etcetera zum Thema »Viertel«. Ob damit signalisiert werden soll, dass mit den fünfundzwanzig Jahren bereits ein Viertel erreicht sei? Immerhin sind 25 Jahre für eine Literaturzeitschrift nicht nur bemerkenswert, sondern geradezu enorm. Dementsprechend fanden sich im Stadtmuseum St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler, Vizebürgermeisterin Susanne Gisela und mehrere Stadträte ein, um gemeinsam mit der Obfrau der LitGes und Herausgeberin von Etcetera Eva Riebler, ihrem Redaktionsteam, Autoren und Literaturinteressierten diese wahrlich beachtliche Tätigkeit über zweieinhalb Jahrzehnte zu feiern. Denn St. Pölten ist, wie der Bürgermeister auch in seiner Rede festhält, ein Literaturstandort von Rang in Österreich. Erinnert wird an die frühen Aktivitäten, an die Zeitschrift das pult von Klaus Sandler und den Limes, der bereits der Vorläufer von Etcetera war.

Die ganze Veranstaltung wird musikalisch vom Ensemble B.U.G.L. umrahmt. Heitere Dialektlieder nach teils bekannten internationalen Hits verleiten zum Schmunzeln und lockern das Programm auf – das Auditorium erfreut es, denn auf diese Weise tankt man Energie für den jeweils nächsten Programmpunkt. Nach einem Tusch übernimmt Ingrid Reichel und präsentiert – unterstützt durch Notebook und Beamer – das letzte Jahrzehnt in der Geschichte der Literarischen Gesellschaft. Namen und Fotos von LitGes-Funktionären sowie von Autoren, die hier publiziert und gelesen haben.

Die Autorenlesungen beginnen mit Klaus Ebner, der seinen in Ausgabe 40 erschienenen Essay Ein Vierterl aufs Viertel liest. Danach drei der LitGes auch durch ihre Funktionärstätigkeit verbundene Autoren: Robert Eglhofer, Wolfgang Mayer-König sowie Texte der nicht anwesenden Doris Kloimstein, die von Ingrid Reichel vorgetragen, das heißt eigentlich in Szene gesetzt werden. Den Abschluss übernimmt Beppo Beyerl mit dem augenzwinkernd sozialkritischen Prosatext Mein Grätzl und einer Zugabe von humoristischen Beschreibungen unterschiedlicher Trinkertypen.

Nach den Lesungen wird das Buffet eröffnet – natürlich ebenfalls musikalisch. Während das Trio B.U.G.L. weitere Nummern darbietet und ein Teil des Auditoriums für den Musikgenuss im Vortragssaal verbleibt, werden im Nebenraum nicht nur das Buffet, sondern auch der Büchertisch und ein beeindruckender Stapel von Etcetera-Nummern umlagert. Schmökern in der Zeitschrift, ein Glaserl Wein oder Mineralwasser, Blättern in den Büchern der Autoren. Und natürlich Gespräche. Gespräche zwischen Schreibern und Lesern, in rasch wechselnden Gruppen, und Gespräche unter den Autoren, jenen, die gelesen haben und jenen, die im Publikum den Darbietungen der Kollegen gelauscht hatten. Etwa gegen elf Uhr nachts wird es wieder still im Stadtmuseum. Man kehrt heim und mancher fährt noch mit den Zug nach Wien oder Linz zurück.

Literaturhaus Wien 28.04.2010

Eine Autorenlesung im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Österreichischen Schriftstellerverbandes. Das hat Tradition, könnte man meinen, und doch findet heute eine ganz besondere Lesung statt, etwas, das auch für den Schriftstellerverband Neuland darstellt. Der Abend steht unter dem Motto der Vielsprachigkeit. Zweisprachige Autoren, Autoren, die in einer Fremdsprache schreiben, eine neue Heimat in einem anderen Land fanden, Menschen, die Freude an Sprache und Sprachen haben.

Drei Autoren, alle drei männlich - eine Ausnahme, wie Präsentatorin Sidonia Binder betont - und mit einer besonderen Beziehung zu anderen Sprachen. Klaus Ebner schreibt den Großteil seiner Lyrik auf Katalanisch und liest aus seinem in Katalonien erschienenen, zweisprachigen Gedichtband, aber auch aus dem Buch Hominide. Lidio Mosca-Bustamante wuchs in Argentinien auf. Nach Konflikten mit der Diktatur in den Siebziger Jahren kam er nach Österreich, in die Steiermark, welche die Heimat seiner Großeltern war. Er schreibt auf Spanisch und liest aus der deutschen Übersetzung von La Vihuela mágica. Aufgrund der besonderen Umstände sind manche seiner Bücher zuerst in Übersetzung und erst danach auf Spanisch erschienen. Schließlich Kurt F. Svatek. Hauptsächlich Lyriker, dessen Bücher bereits in eine ganze Reihe von Sprachen übersetzt wurden. Nach humoristischen Texten gibt er kurze Einblicke in die Übersetzungen in Afrikaans, Englisch, Französisch und Portugiesisch.

Wie bei allen Lesungen des Schriftstellerverbandes gibt es einen Büchertisch mit den Werken der Autoren, der nach der Lesung eifrig umlagert wird. Die Autoren stehen zu Plauderen in lockerer Atmosphäre bei einem Glas Mineralwasser, Saft oder Wein und Knabbereien zur Verfügung. Es dauert noch mehr als eine Stunde, bis sich die Gesprächsrunden auflösen und im Literaturhaus langsam die Nachruhe anklingt.

Café Kafka, Wien 23.04.2010

Anlässlich des Welttages des Buches lud der erst vor Kurzem gegründete Driesch-Verlag zu einer Lesung mit Autoren ein. Verlagsleiter Haimo Handl stellte die Autorinnen und Autoren kurz vor und las ebenfalls aus eigenen Werken. Prosa und Lyrik hielten sich dabei in etwa die Waage. Der Gedichtvortrag von Stephan Eibel glich gewissermaßen einer Performance, denn er stellte sich mitten ins Publikum, erzählte eine ihm in unserem Kulturbetrieb widerfahrene Geschichte und flocht dazwischen seine Poeme ein, die er auswendig rezitierte. Die anderen Autoren lasen an den Tischen, präsentierten ihre Bücher und gaben Heiteres, Ernstes und durchaus Politisches zum Besten. Martin Dragosits trug aus seinem eine Woche zuvor im Arovell-Verlag erschienenen Lyrikband vor, Franz Blaha versuchte sich mit Besinnlichem, und Klaus Ebner stellte Übersetzungen seiner katalanischen Gedichte sowie eine Erzählung vor. Zum Abschluss kündigte der Driesch-Verlag die erste Nummer seiner Literaturzeitschrift an, die im kommenden Monat erscheint. Mit etwa fünfundzwanzig Besuchern war das kleine Café Kafka ziemlich voll. Nach der Lesung gab es genügend Zeit, um mit den Schriftstellern zu plaudern, doch am längsten hielten es die Autoren selbst aus, die fast bis Mitternacht zum Erfahrungsaustausch zusammensaßen.

Uni-Campus Hörsaal D, 23.03.2010

Die Lesung Lyrik im März ist eine alljährliche Veranstaltung der Grazer Autorinnen Autorenversammlung. Diesmal lasen etwa dreißig Autoren im Pathologie-Hörsaal der Universität Wien. Organisiert wurde Lyrik im März vom Vorsitzenden der GAV Rolf Schwendter und moderiert von Gerhard Jaschke. Der altehrwürdige Saal versammelte Lyriker wie Julian Schutting, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Beppo Bayerl, Semier Insayif, Ruth Aspöck, Klaus Ebner, Bodo Hell, Robert Schindel und andere. Klar, dass bei einer solchen Menge von Autoren jeweils nur wenige Minuten bleiben - doch diese gaben einen wunderschönen Eindruck in die Lyrikproduktion dieses Landes. So verschiedenartig waren die dargebotenen Werke. Lyrische Gedanken im Wechselspiel mit sehr kritischen Betrachtungen sowie sprachlichen Experimenten. Insayif las ein Gedicht, indem Deutsches und Arabisches sich abwechseln, und einander ergänzen. Auch Texte der bereits verstorbenen Autoren Elfriede Gerstl und Gert Jonke durften bei diesem Fest der Lyrik nicht fehlen. Die über hundert Zuhörerinnen und Zuhörer haben das Feuerwerk sprachlicher Höhenflüge sichtlich genossen.

Café Epithet & Synonym, 16.01.2010

Die Internetlesungen der Second-Life-Gruppe Brennende Buchstaben haben inzwischen Tradition. So lud Kirsten Riehl alias Zauselina Rieko am Samstag, dem 16. Januar, wieder zu einer Autorenlesung mit Klaus Ebner. Auf dem Programm standen Gedichte aus dem katalanisch-deutschen Lyrikbankd »Vermells«, Kurzprosatexte aus »Auf der Kippe« und vor allem, denn dies bildete den Hauptanteil an den vorgetragenen Texten, Auszüge eines Reiseessays über den Pyrenäenstaat Andorra. Obwohl die zugrunde liegende Reise bereits 2007 stattfand, erschien der Essay bislang noch nicht in Buchform. Geplant ist die Publikation 2011 in einem Klagenfurter Verlag, wie vom Autor zu erfahren war. Ebner las aus einem Kapitel über die Legenden- und Sagenwelt Andorras sowie über den historischen Schmuggel des Pyrenäenstaates und das Justizsystem. Die Lesung dauerte etwa eine Stunde, und danach gab es Zeit, mit dem Autor über den Text und über Andorra zu plaudern. Second Life verbindet Autoren und Leser überregional und international, da lediglich ein Computer mit Internetzugang und Audiounterstützung benötigt wird.