Hominide

Die Handlung dieser Erzählung spielt vor mehreren Millionen Jahren in Zentralafrika, am Übergang zwischen Regenwald und Savanne. Die Protagonisten sind Australopithecinen, unsere Vorfahren ...

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Tag 1

Allen Ernstes hielt sie mir die aufgebrochene Eischale mit beiden Händen vor die Nase, bis an den Rand gefüllt mit dem schleimigen Straußeneiklar, das zu schlürfen zwar in manchen Situationen, wie etwa auf einem mehrtägigen Streifzug durch die Savanne, durchaus angebracht war, aber jetzt und hier, wo wir einander in trauter Zweisamkeit gegenübersaßen, wie ein Faustschlag aus der Tiefe der menschlichen Vorgeschichte wirkte. Natürlich blieb ich höflich und tat, als freute ich mich über ihre freundlich gemeinte Geste, tippte die Schale – eine Idee zu stark – mit den Fingern an, sagte erschrocken »ups!« und bemühte mich, dem sich zur Seite neigenden, aus ihrem Griff rutschenden und schnurstracks zu Boden sausenden Ei in ehrlicher Betroffenheit nachzustarren.

Maluma seufzte verärgert, schüttelte den Kopf und rief: »Wenn du weniger Geschichten erzähltest, wärst du wohl nicht so ungeschickt!«

Tatsächlich spann ich insgeheim an einer ausführlichen Schilderung dessen, wie Eiklar und Dotter, inmitten der zerschellten Schalensplitter, allmählich in den an dieser Stelle mäßig feuchten Waldboden sickerten, dabei ganze Armeen von Ameisen und Fadenwürmern auf den Plan riefen und einen mehr als reichlichen Beitrag zur tierischen Nahrungskette ablieferten. Indes verlor ich kein Wort darüber, um Maluma nicht zusätzlich zu verärgern; immerhin hatte sie sich bereits von mir fortgewandt und hüpfte aufs benachbarte Gehölz, wo sie die Arme nach oben streckte, einen Ast packte und sich allmählich aus meinem Blickfeld hangelte, dorthin, wo ich den Großteil meiner Brüder wähnte.

Der Wald blieb angenehm friedvoll, und die andern hielten still. Wohl horchte ich auf ungewohnte Geräusche, versuchte mich auf die unmittelbare Umgebung zu konzentrieren und das dichte Blattwerk mit meinen Blicken ein bisschen weiter als sonst zu durchdringen, doch nichts verriet das Kommende. Maluma nachzuhüpfen hatte ich keine Lust, und auf diese Weise verging der ganze Vormittag. Die Sonne stieg in den Zenit, und die Blätter schützten uns vor allzu brennender Hitze. Schattig verlief unser ganzes Leben, dachte ich. In gewisser Weise war das gut so, denn der Schatten schützte uns vor vielen Gefahren.

Ich setzte mich aufrecht, verlor die Berührung zum Stamm in meinem Rücken und spähte ringsum, vielleicht um mich zu vergewissern, dass ich tatsächlich allein war und niemand mich beachten würde. Der Schatten ging mir nicht mehr aus dem Kopf, denn seine schützende Seite verbarg eine zweite, eine Rückseite, abgewandt von uns, dunkel und geheimnisvoll, und je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher stand mir vor Augen, dass wir nicht das Geringste über diese andere Seite wussten. Seit Kurzem verspürte ich eine seltsame Unruhe, geradezu, als wäre es an der Zeit, die tagtägliche Unauffälligkeit ein für alle Mal zu durchbrechen. Doch was Generation um Generation unauffällig verlaufen ist, wird sich kaum ohne Zutun auffällig verändern. Und Zutun setzt voraus, dass irgendjemand etwas tut, ein Urheber, jemand, der, wenn er schon nicht die Fäden zieht, den Anstoß zur Veränderung gibt. Sollte ich in der Lage sein, etwas anzustoßen? Oder stieß ich lediglich Straußeneier in den Abgrund und mit ihnen die Wertschätzung jenes Wesens, das mir am allerliebsten war?

Mein Herzklopfen wurde stärker. Wäre ich kein Australopithecus afarensis, hätte ich nun schlagartig eine Entwicklungsstufe übersprungen. Wenn ich recht überlegte, lag der Schatten des Waldes nicht nur über unserem Leben, sondern über allem, was wir taten. Was dasselbe ist. Ich streckte den Hals und kratzte mich unter dem Kinn. Was taten wir eigentlich? Wir saßen herum, aßen, was wir fanden, kletterten von Wipfel zu Wipfel, räuberten Wespennester, wir schliefen, neckten einander, kopulierten und zogen die Kleinen groß, damit sie wieder herumsaßen, aßen, was sie fanden, von Wipfel zu Wipfel kletterten, Wespennester räuberten, schliefen, einander neckten, kopulierten und die Kleinen großzogen, obwohl wir den kausalen Zusammenhang dieser beiden Dinge noch gar nicht erkannten. Alles wiederholte sich, alles. Ich seufzte. Es ging doch nicht an, Tausende von Jahren immer nur dasselbe zu tun, auf den Bäumen rumzulungern, sich um die saftigsten Blätter und Früchte zu zanken und dass wir, wenn wir uns einmal auf den Boden wagten, befürchten mussten, von einer durchs Dickicht schleichenden Großkatze angefallen zu werden, die mit ihren Säbelzähnen jeden Brustkorb aufknackte.

Meine Gedanken fingen zu galoppieren an. Ein Grinsen spannte mein Gesicht, weil sich eins ins andere fügte und mir zusehends klar wurde, dass tatsächlich ich es war, der etwas ins Rollen bringen konnte und musste. Und die andern? Meine Kameraden, meine Freunde, die Clique, ach was sage ich: die Verwandtschaft, die Familie, meine Sippe? Kein bisschen helle, die Rotte, tagein tagaus dümpelten sie träge dahin. Also beschloss ich, ein wenig Klarheit ins Dunkel zu bringen, meinen Leuten eine Kerze anzuzünden, nach der Devise, es werde Licht und so.

Wo sollte ich anfangen? Mit wem? Bei wem? Konnte ich sie einzeln zu mir holen und mit ihnen reden? Mit Konrad, meinem Bruder? Vielleicht. Auch ein Gespräch mit Lao, ebenfalls mein Bruder, vermochte ich mir vorzustellen. Doch wenn ich an Costello dachte, den Stärksten unserer Sippe, wurde ich unsicher. Natürlich sind es die Starken, die eine Gruppe anführen, so auch Costello. Wenn ich also bei ihm vorstellig wurde, ihm zuraunte, was mir durch den Kopf ging – nein, dabei hatte ich kein gutes Gefühl, nicht auf diese Weise. Es kam viel besser an, wie der blutjunge Bongo zu agieren. Ihn nannten wir so, weil er immer den Affen markierte: lustig, schalkhaft und tollpatschig, manchmal frech, doch stets bereit, das Gesagte zurückzunehmen, sein Tun als Ulk und das Verstandene als Missverständnis darzustellen. Leider besaß ich nichts von dieser Gabe.

Wir sprachen stets von Brüdern, und niemals wurde zwischen Brüdern und Cousins, Schwägern und Kumpel ein Unterschied gemacht. Sie hießen Konrad, Lao, Costello, Bongo und Carpediem. Und Re. Und dann noch Rhododendron. Thorn nahm hingegen eine Sonderstellung ein, denn aufgrund seines Alters kam er nur als Onkel oder Großvater in Frage. Und schließlich gab es noch die Frauen, unsere Schwestern und Kusinen, Geliebten und Gefährtinnen: Djamila, Lucy, Ruth, Manisha, Akshaya, Ischa. Aber so genau wusste im Grunde niemand über die Verwandtschaftsverhältnisse Bescheid. Schließlich lebten wir seit Ewigkeiten im Geäst und, wenn wir uns sicher genug fühlten, auf dem Boden des Waldes und in den Randgebieten der Savanne. Wenn zwei sich dabei näherkamen, Männchen und Weibchen, dann ergab sich einiges. Männchen und Weibchen, Weibchen und Männchen, Weibchen und Weibchen – ja, auch das gab es. Vor allem, wenn sie uns, den Männchen, mal wieder zeigen wollten, dass sie uns eigentlich gar nicht brauchten. Aber das ist eine andere Geschichte. Wann wir begonnen hatten, von Männlein und Weiblein zu sprechen, entsinne ich mich nicht mehr. Diese sprachliche Veränderung stellte sich dermaßen schleichend ein, dass sie völlig unbemerkt blieb.

Genug der Überlegungen. Ich musste hinaus, das heißt, zu den andern. Wir hielten uns üblicherweise in einem recht überschaubaren Areal auf, sodass es mir ein Leichtes war, den Rest der Sippe zu finden. Sie alle saßen im Geäst zweier Baumkronen, die auf eine Weise ineinanderwuchsen, dass es kaum auffiel, wenn man von den Zweigen des einen Stammes auf die des anderen wechselte und umgekehrt. Costello thronte natürlich in der Mitte, der Pascha unseres Clans, mit dem Bauch offen nach oben, doch immerhin sein Geschlecht hing müde herab, und ich schöpfte Hoffnung, dass er die Rede, die ich zu halten vorhatte, nicht gleich unterbräche, indem er einer der Damen nachstieg. Um ihn, den unangefochtenen Herrscher, hockten sie herum: Lao und Carpediem in leises Gespräch vertieft, Bongo von Zeit zu Zeit aufhüpfend und eine seiner pseudoartistischen Kapriolen zum Besten gebend, Djamila wie gewohnt kokettierend und Lucy mit einem Neugeborenen – ich fasste es kaum, dass sie jeden Winter ein neues Kind zur Welt brachte.

Ich ließ mich auf einer Astgabel nieder, die mir erlaubte, so gut wie allen ins Gesicht zu sehen. Ein prüfender Blick und ein Abwarten, ob Costello mein Ansinnen bereits im Ansatz ersticken würde, doch er schwieg. Daher begann ich meine Stimme zu erheben, die Familie zu adressieren, indem ich die Namen ihrer Mitglieder abwechselnd nannte, jeweils zwei auf einmal, damit niemand der Idee verfiele, mich zu unterbrechen und seinem Namen ein geflissentlich vorgebrachtes »Hier!« entgegenzuhalten. Ich sprach von den Gedanken, die ich mir gemacht hatte, von der Vorstellung eines Aufbruchs, der uns nicht nur vorbehalten war, sondern den wir umgehend angehen mussten, um seine Dynamik – die ich momentan unterstellte – am Gehen zu halten. Nur für einen Wimpernschlag fiel mir auf, welch rhetorischen Quatsch ich eigentlich daherquasselte, denn im Anfang ging es bloß darum, ihre Aufmerksamkeit zu erregen, und dazu war mir zugegebenermaßen jedes Mittel recht. Mit Begeisterung schwadronierte ich vor mich hin und hoffte, die Funken meiner Inbrunst würden übergreifen. Zuerst dachte sich ja niemand etwas dabei, und möglicherweise war der einzige Funkenflug, den meine Halbaffen, wie ich sie kosend zu bezeichnen pflegte, tatsächlich begriffen, jener eines Gewitters, der nach dem Einschlag eines Blitzes ganze Waldflure niederstreckt und das einfache Dasein, das wir fristen, in jedweder Beziehung bedroht. Ich redete und redete und redete. Etwas gelangweilt brummelte Bongo, lange Reden würden die Vernunft zu Asche brennen, doch ich hielt jede Regung in den mich anglotzenden Gesichtern generös für das heiß ersehnte Echo, jedes Hochziehen der Augenbrauen, jedes Naserümpfen. Aber sonst kam da nichts; nicht einmal ein unbeabsichtigtes Niesen gesellte sich zu den gewohnten Geräuschen des Urwalds.

Erschreckend lang dauerte mein Monolog, doch als endlich Re den Hals reckte, sich ein kleines Stück vorbeugte und über die Äste in meine Richtung zischte: »Kann den endlich einer abstellen? Ist ja nicht auszuhalten, das Gelaber!«, da wusste ich: Ich hatte gewonnen.

(...)


Rezensionen

In der Biologie gibt es die durchaus praktikable Denkvorstellung, dass das Leben aus permanent flatternden DNA-Strähnen besteht, die fallweise zu Menschen, Tieren oder Zellen ausgebildet sind. Nach dieser Logik kann ein Menschenaffe in grauer Vorzeit durchaus im Gebüsch am Rande einer Savanne sitzen und mit dem Denkwerkzeug der Gegenwart den Sinn des Lebens finden. (...)

Die erzählte Woche freilich hat es in sich. Wie in der Schöpfungsgeschichte üblich, besteht sie aus sieben Tagen, an denen die Hominiden alle Stationen bis hin zur vollkommenen Menschheit erleben. Held dieser evolutionären Geschichte ist Pitar, der als Ich-Erzähler für alles eine Sprache hat und ständig tolle Sachen erfindet. Einmal wird ein Arbeitsvertrag ausgestellt, womit die Leistungen des Einzelnen mit dem Rudel geregelt sind, darauf folgt logischerweise die Gründung einer Gewerkschaft, an anderer Stelle im Gebüsch wird gar das erste Parlament eingerichtet. (...)

Die Hominiden können erstaunlich gutes Latein, das als Brücke für die Zukunft gilt. Aber auch die wichtigsten Sprichwörter der Menschheit sind schon im Umlauf, etwa das schöne: »Bisch a Tiroler, bisch a Mensch« (63), mit dem jegliche Evolution zusammengefasst wird. (...)

Hominide sind ein moderner Mythos, der im Festivalkostüm der Halbaffen erzählt wird.

Helmuth Schönauer
7. September 2016
In: Tagebuch eines Bibliothekars Bd. VI, Sisyphus Verlag, Wien 2019
S. 216-218
(Link zur vollständigen Rezension)


Der Titel bezieht sich auf (nicht von ungefähr) 7 Tage aus dem Leben von Pitar, eines »Vormenschen« der Urzeit (Australopithecus afarensis), von diesem selbst erzählt. Dabei gilt, leicht abgewandelt: Schmal aber oho! Bemüht(e) man sich in verwandten literarischen Produktionen um eine mehr oder weniger korrekte Nacherzählung vorzeitlicher Lebensumstände, meist romanhaft auktorial, allenfalls entwicklungsgeschichtlich technisch, dreht Ebner den Spieß um: Hier entfaltet sich nur bedingt der Eintritt in die ach so ferne Vergangenheit, weil der (mit welchem Material sich auch immer vervielfältigende) Hominide als höchst ambitionierter Autorenvorfahr sich in seinem Berichten nahezu vollkommen unserer heutigen Terminologie bedient – mit den dementsprechenden Implikationen.

(...) Als weiter zurückliegende strukturelle Argumente benutzt er unter anderen die Parallelaktion (also Musil; 49), die Falsifikation (also Popper; 52) oder den Traum (also Martin Luther King; 56), (...) Auch wenn seine literarischen Kenntnisse über die Schöne neue Welt (also Huxley; 16) oder Aichmühl und Klagenfurt ([!]; 30) bis zu Sprache oder nicht Sprache (also frei nach Shakespeares Hamlet; 44) und seine sprichwörtlichen (wie eine Kerze anzünden [9], Auge in Auge [26] u.a.m.) oder gar filmischen Anzüglichkeiten (wie Das große Fressen [40], Das weite Land [60] u.a.m.) lediglich für ihn selbst als Gedankenanimationen Bedeutung erlangen, wachsen ihm doch einige sich ihm anschließende Mitstreiter zu: Vor allem Carpediem, der, nomen est omen, nicht nur als Philosoph, sondern ebenso in lateinischen Zitaten höchst versiert ist, und Lao, ein begabter Sprachsoziologe. Zu ihnen gesellen sich für eine kurze Weile situationsbedingt Rhododendron als Ökologe, oder Ruth als Gewerkschafterin ante definitionem.

(...) Tag 1 gilt dem Nachdenken »über uns selbst«, Tag 2 dem möglichen Fortschritt, Tag 3 dem Bau von Hilfskonstruktionen und dem Komplex der Nahrungsaufnahme. Tag 4 befasst sich mit der Umsetzung von Kritik angesichts des Sternenzelts, Tag 5 mit praktischen Fragen des Wohin, Tag 6 mit der kaum zu vermeidenden Konsensfindung. Tag 7 beginnt scheinbar als geradezu biblische Ruhezeit, endet jedoch in einer Katastrophe, die die Gruppe auseinanderbrechen lässt: Um die wenigstens partielle Chance des Neubeginns (selbstverständlich als Grundlage für das späterzeitliche Einholen von Pitars Erkenntnissen) zu ermöglichen, bei welchem nunmehr die persönliche, ja private Liebe zwischen Mann und Frau nicht fehlen darf. So bleibt rückblickend (?!) die grundsätzliche Frage: Wird hier die Vergangenheit in die Gegenwart transponiert ... oder doch umgekehrt? Jede/r Leser/in (Anm: dies eine neue, in der Urzeit also noch nicht gewohnte Wendung) mag sich das beantwortende Urteil selber bilden nach einer die Ebnerschen und zunehmend »unsere« Hominide hochleben lassenden Lektüre.

Martin Stankowski
Literarisches Österreich 2016/2, Wien 2016
S. 15 f.


(...) Es ist eine reizvolle Idee, über jenen Moment in der Menschheitsgeschichte zu spekulieren, in dem ein Wesen aus den Wäldern Ostafrikas heraustritt, um in der Savanne den Schitt vom Halbaffen zum Menschen zu tun. (...) Über das prähistorische Setting legt der Autor eine postmoderne Schicht an Dialogen und Themen, aus denen die Erzählung ihre Spannung bezieht. Da redet Carpediem lateinisch, Lao lässt weise Sprüche vom Stapel und Pitar wird von Visionen geplagt, dass der Mensch eines fernen Tages den Mond betreten könnte – was den Hominiden, der solches erträumt, zum absoluten Gespött des Rudels macht.

(...) Der dialoglastige Aufbau des Textes, wo einem mitunter ganz diesig im Hirnkastl wird vor lauter Andeutungen, gibt dagegen jenen Nebel an Gedanken und Ahnungen, an dem unsere Vorfahren vielleicht gelitten haben mögen, ziemlich treffend wieder.

Werner Schandor
Schreibkraft 21, Graz 2011
(Link zur vollständigen Rezension)


(...) In sieben Tagen erschuf Gott die Welt, so steht es in der Bibel geschrieben, und diese sieben Tage nimmt K. Ebner zum Anlass, eine grandiose Satire über die Menschwerdung zu verfassen. Protagonist und Ich-Erzähler ist Pitar, der als erster Philosoph der Menschheit in diesen kommenden sieben Tagen den Menschenaffen zum Menschdasein begleiten wird.

(...) »Wie sonst hätte er mich nennen sollen? Meister Kung, Darwin’s Nightmare oder einfach Ludwig? Einen Australopithecus, der tugenensis, habilis und sapiens völlig planlos durcheinanderbrachte? Da fand ich den Namen Pitar schon in Ordnung.« (S. 17). Anhand des Zitates kann man schon sehen, in welche Richtung der Verfasser zielt, doch ob er in seiner Erzählung auf der Suche nach dem Missing Link ist, jenem fehlenden Bindeglied zwischen Affe und Mensch, oder ob er uns Menschen schlichtweg als Hominiden entlarvt, soll hier ein Geheimnis bleiben.

(...) K. Ebner erweist sich als Sprachkönner und Liebhaber fürs Detail. Politisch, philosophisch und gar erotisch geht es in diesem zarten Büchlein zu, welches mit charmanten Anspielungen und einem sensiblen und feinen Humor durchwachsen ist.

(...) Ein Buch für Menschen mit Humor, für Denkende, für Intellektuelle, für Demokraten, für Darwinisten, auf keinen Fall für Kreationisten, weniger für Gläubige, eher für Atheisten, … Fundamentalisten scheiden völlig aus …

Ingrid Reichel
Etcetera Nr. 36, St. Pölten 2009


(...) Klaus Ebner führt uns mit seiner »Familiengeschichte«, die er bescheiden Erzählung nennt, in die Welt vor vier Millionen Jahren. Aber anders als Urweltromane, die das Leben unserer Vorfahren als ein einziges grausiges Abenteuer schildern oder versuchen, den Alltag dieser Menschen auf Grund wissenschaftlicher Entdeckungen so genau wie möglich zu konstruieren, gelingt es Ebner, uns mit Phantasie und Ironie auf originelle Art seine Hominiden nahezubringen. Er lässt einen von ihnen, Pitar, von den sieben entscheidenden Tagen in seinem Leben selbst erzählen: die Geschichte vom Erwachen des menschlichen Geistes.

(...) Noch herrschen bei seinen Familienmitgliedern, deren Namen, wie Costello, Bongo, Rhododendron, Carpediem oder Konrad, schon auf witzige Weise die Vielvölkerschaft der Zukunft ahnen lassen, die urtierischen Begierden und Triebe: Macht, Hunger und Fortpflanzung.

(...) Der Autor versucht, wie schon mit seiner erwähnten Namensgebung, das natürliche Geschehen durch sanfte Ironie ins Spielerische gleiten zu lassen. Immer wieder erzählt nicht nur der Ich-Erzähler von Dingen, die es zu seiner Zeit noch nicht gegeben hat, auch die übrigen Personen gebrauchen Redewendungen von heute oder sprechen sogar lateinisch, Gaukeleien, die dem Thema einen besonderen Reiz verleihen. Und bei allen Zukunftsvisionen erkennen wir, wie sehr die Typen von damals auch heute noch dominieren: der Machtbesessene, der Dummkopf, der Spaßvogel, der Lüstling, der Neidige. Letzten Endes wird die Erzählung »Hominide« zu einem Spiegel unseres Lebens, aber auch unserer Visionen, nur zeitversetzt. (...)

Heinz Gerstinger
Literarisches Österreich Nr. 1/09, Wien 2009, S. 21 f.


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