Podium-Porträt

Podium-Portäts werden von der Literaturvereinigung Podium herausgegeben. Sie geben einen Einblick in das lyrische Schaffen österreichischer Autor*innen. Klaus Ebners Podium-Porträt enthält Auszüge aus den publizierten katalanischen und deutschen Gedichtbänden sowie von in Zeitschriften veröffentlichten und unveröffentlichten Texten. Das einführende Vorwort steuerte die Literaturwissenschaftlerin Hannah Mühlparzer bei: »Respiro paraules/Ich atme Worte Eine Annäherung an Klaus Ebner«.

Das Buch ist als günstiges Taschenbuch beim Verein Podium erhältlich.

Zu bestellen im Podium-Webshop.


Podium-Porträt

ich atme Worte
die schon vor der Sprache
der sie angehörten
existierten
ich öffne meine Hände
um sie zärtlich zu berühren
es ist der Duft der verrinnenden Zeit
die ich dem Leben entnehme

 

respiro paraules
que aparegueren
abans que la llengua a la qual pertanyen
existís
obro les mans per a tocar-les
delicadíssimament
és l'olor del temps passant
que vaig manllevar a la vida

 

du warst dabei
ein Blick zurück
das Schwarz des Kosmos
breit-
gefasst
ich blinde mich
und spüre dich
als lachenden Photonenstrahl

 

brasige Hände
geschwollener Teint
ich schneie
mit augengliedrigem
Atem

 


Rezensionen

Liliput ist in seiner Urform eine fiktive Insel in Swifts Roman Gullivers Reisen. Später hat sich unter diesem Namen die Idee durchgesetzt, eine große Welt überschaubar zu machen, indem man sie verkleinert, bis sie auf einem Handteller Platz hat.

In der literarischen Serie „Podium Porträt“ wird die große Welt der Poesie heruntergebrochen auf einen wesentlichen Gedanken, der einer porträtierten Person als Lebensmotto dienen könnte. Das „Liliput“-Format in Postkartengröße und im Umfang von 66 Seiten (wie einst bei den Perry-Rhodan-Heften) ermöglicht es, das jeweilige Porträt als Visiten- und Grußkarte unter Freunden zu verschicken. Und wie in den klassischen Fußballer-Sammlungen von Panini werden die lyrischen Stars mittlerweile gehandelt, gelesen und getauscht.

Klaus Ebner ist im März 2024 Star der Podium-Sammlung. Seine „Lebensthese“ fasst Hannah Mühlparzer in ihrer Einbegleitung mit der Fügung zusammen „Respiro paraules / Ich atme Worte“. Darin ist wundersam knapp zusammengefügt, dass der Autor seine Texte oft in Katalanisch mitverfasst, um den Gedichten eine zusätzliche Sprachbeleuchtung zu verpassen. In der Poesie gilt ja die Annahme, dass sie in allen Sprachen der Welt auftritt, weshalb sie nie eindeutig ist. Die Überlebensformel „Ich atme Worte“ lässt sich wahrscheinlich von allen Sprachen beflügeln wie ein „fang mir den Mond“ (23) oder „die Sonde meiner Seele“ (45).

Im Vorwort arbeitet Hannah Mühlparzer sechs Schritte heraus, mit denen Klaus Ebner auf den Kern seiner Poesie zuzugehen scheint.
I – am Werden // II – Original // III – Tradition //
IV – Leinwand // V – Fremdheit // VI – Conclusio

Für eine erste Rezeption dieser Lyrik sind diese gespannten Begriffsleinen hilfreich, um darauf die einzelnen Gedichte für lange Haltbarkeit auszulegen, wie Früchte beim Trocknen im Wind. Ein zusätzlicher Aspekt ergibt sich durch das lyrische Stereoskop, wenn Katalanisch und Deutsch quasi übereinander gelegt die Motive plastisch erscheinen lassen.

Lesern, die des Katalanischen nicht mächtig sind, muss im ersten Anblick das Layout in fremden Worten genügen. Aber der wesentliche Eindruck, dass eine einzelne Sprache immer zu wenig ist, um das Universum zu begreifen, lässt sich schon bei diesem oberflächlichen Vorgang erahnen.

Die Würdigung jenes Kosmos, den Klaus Ebner für uns ausgelegt hat, vollzieht die Autorin anhand des Titel-gebenden Gedichtes in Katalanisch und Deutsch.
„ich atme Worte / die schon vor der Sprache / der sie angehören / existierten / ich öffne meine Hände / um sie zärtlich zu berühren / es ist der Duft der verrinnenden Zeit / die ich dem Leben entlehne“
„respiro paraules / que aparegueren / abans que la llengua a la qual pertanyen / existís / obro les mans per a tocar-les / delicadíssimament / és l’olor del temps passant / que vaig manllevar a la vida“ (15)

Diese simultane Anwendung der beiden Layouts stellt die übliche Art des Übersetzens in Frage, heißt es, und in der Conclusio kommt eine Überlegung zum Vorschein, wonach sich die Gedichte sowohl in die Ferne, als auch ins Innere richten. Die Gedichte haben also nicht nur einen pan-poetischen Zug hinein ins Universelle, sondern auch die Schleuderkraft eines Empfindungspfeils, wenn dieser von innen nach außen zielt, aber von außen nach innen wirkt, wohl hinein bis mitten ins Herz. Biographische Daten und ein Überblick über die Publikationen lassen die Größe dieses Podium-Konzepts final aufblitzen. In jedem einzelnen Porträt nämlich müssen Leben, Wirken und Werk eingedampft werden auf die magische Seitenzahl 66.

Das Podium Porträt über Klaus Ebner ist naturgemäß „zeitlos“, andererseits unterliegt es auch der Schwerkraft während der Publikation im Jahre 2024. Die Podium Serie hat ihren geographischen, mentalen und personellen Schwerpunkt wohl in Niederösterreich und unterliegt den Passatwinden des Landes mit seinen vier Vierteln. Seit Beginn des aktuellen Jahrhunderts sind 127 Porträts entstanden, die ein quasi kanonisiertes Potpourri von Literatur dokumentieren.

(…)

Helmuth Schönauer
10. März 2024. Publiziert in Lesen in Tirol


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Zu bestellen im Podium-Webshop.


Covergestaltung

Buchsatz und Cover der Reihe werden von Manfred Kriegleder unter Verwendung des Podium-Logos von Alfred Gesswein gestaltet.