Schwarzlicht

Den Gedichten dieses Zyklus liegt erzählerisch ein Raumflug zugrunde, bei dem der Mond umrundet wird. Während des Hin- und Rückflugs besteht Funkkontakt zur Bodenstation; bei der Umrundung des Mondes ist dieser Kontakt gänzlich unterbrochen, solange sich das Kommandomodul hinter der erdabgewandten Seite des Trabanten befindet – die Wissenschaft bezeichnet diesen Zustand als Blackout.

In der Raumkapsel befindet sich eine einzige Person, deren Gedanken und Aussprüche die Gedichte ergeben. Dieses lyrische Ich kann sowohl einer Frau als auch einem Mann zugeordnet werden – die Gedichte können daher entweder »weiblich« oder »männlich« gelesen werden.

Die Reise zum Mond und wieder zurück mündet in eine Betrachtung der Erde, jenes blassen, blauen Punktes im All, der unsere einzige Heimat ist; die Erschütterung der raumfahrenden Person über die Umweltschäden, die der Planet bereits erlitten hat, wird sichtbar. Und dann, im Blackout auf der erdabgewandten Seite des Mondes, tritt eine Wende ein, es kommt zu einer überraschenden Zweisamkeit und zu: neuer Hoffnung. Das Buch ist gebunden und als kostengünstiges E-Book erhältlich.

Zu bestellen im BoD-Buchshop, bei Thalia Online, beim Online-Händler Amazon sowie im stationären Buchhandel.


Schwarzlicht

Hoffnung
hehres Wort
im Schlund verharrend
oft vernommen
oft verspürt
entzieht es sich dem Zugriff
streut
und perlt von allen Zungen ab
am besten macht es sich als
Talisman
im Portemonnaie

 

Wege mathematisch definiert
als Strecke A nach B
was davon abweicht, bleibt tabu
verschwindet flugs in Unbestimmtheit
jede Einheit lässt sich messen
scharf geeicht
– ihr sprecht von "unfehlbar" –
und alles sei durch Elektronik ausfalls-
sicher überprüft
und kontrolliert

 

kappen sollten wir den Strudel
der uns zu verschlingen droht
so vieles
was uns längst entglitten
müssen wir uns wieder holen
———
trotzdem herrscht nur Trägheit
ungeheuerliches Zaudern
und auch ich verschwinde
weiche
fliehe diesen Pfuhl der
Ohn-
macht
ich verlasse euch und mich und
jeden Ort

 

Orte
Inbegriff von un-
scharf
relativ und flüchtig
Bruch-
gefahr
will Zeit, will Wort
ihr hört es nicht
ihr hörtet mir nicht zu
ihr hört es niemals
nie

 

nie wär ich
geflohn
ein Wolken-
bruch
der Einsicht
ausweg-
los war ich
durchnässt


Rezensionen

Der erste Eindruck ist sehr bestechend durch das anziehende Bild am Einband. Es ist sofort erkennbar, dass es sich um eine außergewöhnliche Situation einer Weltraumfahrt handelt, nämlich der Blick auf die Erde, wo die Sonnenstrahlen gerade den leicht gerundeten Horizont übersteigen. (…)

Worte, die von niemandem gehört werden, anklagende Worte an anonyme Personen, die nur für sich geplant und der Erde geschadet haben. Die Menschen haben viel getan, Schüler viel gelernt, nachgeplappert, aber nichts vollbracht. Nichts getan, dass grüne Flecken weniger verblassen oder Regenwälder erlöschen. Der Meeresspiegel steigt, der Abfall ist aus dem Sichtfeld geglitten. Die hehren Worte wurden niemals verwirklicht. Die Zerstörung ist schon weiter fortgeschritten als man wahrhaben will, innerlich zerfressen ist die Welt, aber Frohsinn wird vorgegaukelt.

Bald ist die Erde nur mehr ein blasser, blauer Punkt im All und die Fahrt geht weiter in Richtung der dunklen Seite des Mondes. Es bricht der Kontakt zum Kontrollzentrum ab, es tritt totale Stille ein. (…)

Aus dieser totalen Dunkelheit kann ein Neustart entstehen, ein Weg zu einem »DU«. (…)

Der Autor hat die Vision einer ganzheitlichen Erneuerung der Welt, welche mit der Hilfe eines gleichgesinnten »DU« gelingen kann. (…)

Ilse Pauls
Literarisches Österreich Nr. 2021/1, Wien
Link zur vollständigen Rezension


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Covergestaltung

Die Buchdecke wurde von Klaus Ebner unter Verwendung eines Fotos von Arek Socha auf Pixabay gestaltet.