Reflexionen

Hintergrundinformationen zu GLUT

Dieser schmale, aber besondere Essay, liefert das ›Bonusmaterial‹ zum Roman GLUT. Darin erzählt der Autor, wie der Roman entstanden ist, welche Quellen benutzt wurden, und erklärt vieles zum historischen und religionswissenschaftlichen Hintergrund.

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Glut, Roman

Zur Reflexion

Fünfhundert Seiten, dicht gepackt mit ½+20+½ Kapiteln, ein relatives großes Format trotz 10-Punkt-Schriftgröße … einer meiner Freunde stöhnte gespielt auf, als er den ›Ziegel‹, wie er das Buch nannte, zum ersten Mal in Händen hielt. Ja, GLUT ist mein umfangreichstes Werk bisher, und ich denke, das wird es auch bleiben, denn eine Veröffentlichung meiner noch umfangreicheren Aufschreibungen, das sind tagebuch­artige Notizen, die ich seit meiner Jugend führe, wird es vermutlich erst posthum geben.

In GLUT wurde eine Menge Wissen eingearbeitet. Dieses betrifft Archäologie, Geschichte, Religions- und Sprachwissenschaft und sogar Astronomie. Einiges davon ist so implizit, dass wohl nur wenige Leser*innen es gleich erkennen können. Das stört zwar keineswegs das Lesevergnügen, doch jenen, die etwas tiefer in die Materie eindringen und die verborgenen Türen aufschließen wollen, möchte ich gerne einen Schlüssel in die Hand geben. Immerhin stecken beträchtliche Recherchen dahinter, die sich über Jahrzehnte gezogen haben, und manches liegt nicht so einfach auf einem Präsentierteller, sondern stammt aus ganz bestimmten Büchern, die ich gelesen habe, und ist in einer eher diskreten Weise in den Roman eingeflochten.

Einen ›Schlüssel‹ für meine Leser*innen zu schmieden ist also der Hauptgrund, warum ich dieses Büchlein – denn im Gegensatz zum ›Ziegel‹ meines Romans ist es tatsächlich ein ›Büchlein‹ – in Angriff genommen habe.

Und ja, es gibt in der Literatur tatsächlich eine Art Vorläufer, den ich vor vielen Jahren, noch während meines Italienisch-Studiums, kennengelernt habe. Kein Geringerer als Umberto Eco (1932-2016) schrieb im Schlepptau von Il nome della rosa von 1980 eine ›Nachschrift‹ zu seinem Roman, die Postille al nome della rosa von 1983. Darin ließ er sich über den Entstehungsprozess seines Werkes aus, plauderte über Hintergründe, Recherchen und vor allem: den persönlichen Schreibprozess. Ich erinnere mich gut: Als ich dieses Buch las, ich mochte etwa zweiundzwanzig gewesen sein, war ich empört. Schlichtweg empört. Ich empfand die Nachschrift wie einen Verrat. Wie kann man nur, dachte ich damals, Leser*innen dermaßen detailliert darlegen, wie ein literarischer Roman entsteht? Irgendwelche Geheimnisse durften, konnten und mussten Autor*innen doch haben! Ich war ehrlich entsetzt und führte diesen ›Verrat‹ auf die Tatsache zurück, dass Eco primär Wissenschaftler, nämlich Semiotiker war. Denn, so mein Gedankengang, ein ›richtiger‹ Schriftsteller würde niemals auf die Idee kommen, dermaßen offen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Freilich habe ich diese anmaßende Herabwürdigung des großen Italieners bald revidiert.

Natürlich schrieb Umberto Eco auch über die historischen Hintergründe seines Romans, über die Welt des vierzehnten Jahrhunderts, die damaligen technischen Errungenschaften und das Leben in Klöstern. Ein raffinierter Schachzug, um seinem Publikum die Grundlagen seines Romans näherzubringen, das historische und wissenschaftliche Fundament.

Eco brachte ein ungeheures Wissen in seine Romane ein. Allein, was in seinem späteren Werk Il pendolo di Foucault, das ich erst vor Kurzem las, zusammengetragen ist, entlockt mir beeindruckt das Adjektiv ›überwältigend‹ oder, wie ich es lieber sage, englisch ›overwhelming‹. Eine Nachschrift mit vielen Hintergrundinformationen und Aufschlüsselungen kenne ich allerdings nur zum Namen der Rose. Das Bewusstsein, dass ich ebenfalls viele Informationen in GLUT hineingepackt habe, erste Fragen von Freund*innen und anderen Leser*innen, vor allem aber von Zuhörer*innen bei Lesungen, die Kenntnis der Postille und nicht zuletzt der Wunsch, Interessierten etwas mehr in die Hand zu geben, führten zur Entscheidung, meine Reflexionen niederzuschreiben. Dieses Buch wurde zu einer Nachschrift im Sinne Ecos, zu einem ›GLUT Revisited‹, wie es üblicherweise im angloamerikanischen Sprachraum hieße.

Und wie soll das Büchlein gelesen werden? Nun, es eignet sich zum Schmökern, zum Nachschlagen einzelner Themen, die unter den Fingernägeln brennen, weniger Interessantes kann ohne Sorge übersprungen werden (ohne dass ich es jemandem krumm nähme), oder das Buch wird in ein, zwei ruhigen Stunden in einem durchgelesen, als kompakter Essay oder wie eine Erzählung; letztendlich bleibt das allen Leser*innen selbst überlassen. Ich halte es allerdings für sinnvoll und vorteilhaft, den Roman GLUT bereits gelesen zu haben. Oder? Nun, im Grunde bin ich darüber unschlüssig; denn die Reflexionen bieten ebensogut einen wunderbaren Einstieg in den Roman.

Noch etwas: Wer Kinofilme oder Serien auf DVD oder Blu-Ray kauft, findet auf der Scheibe in der Regel auch einen ›Bonus‹-Teil vor. Dieses Bonusmaterial enthält gelöschte Szenen, Aufnahmen vom Dreh, Beiträge der Regisseur*innen oder bisweilen von einzelnen Schauspieler*innen. Bei manchen Filmen ist dieses Bonusmaterial sogar umfangreicher als das Filmwerk selbst; das beste Beispiel dafür ist die Trilogie The Lord of the Rings von Peter Jackson (geb. 1961), basierend auf dem gleichnamigen Roman von John R. R. Tolkien (1892-1973). Die Filmkassette liefert eine wahre Fundgrube von Bonusmaterial mit.

Warum, dachte ich, sollte es nicht auch zu einem literarischen Werk ›Bonusmaterial‹ geben? Und was anderes bitteschön ist dieses Buch Reflexionen denn? So entstand der Untertitel meines etwas ungewöhnlichen Essays.


Bestellung

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Covergestaltung

Die Buchdecke wurde, analog zu GLUT, von Klaus Ebner unter Verwendung eines Bildes (Flammen) von Alexa auf Pixabay (www.pixabay.com) gestaltet.